Neben Burn-Out („Ausbrennen“) und Bore-Out („zu-Tode-langweilen“) gibt es seit kurzem ein neues Trendwort in der Business-Welt: Der „Brown-Out“.

Dieser Begriff stammt ursprünglich aus der Elektrizitätswirtschaft und beschreibt das Phänomen eines beabsichtigten oder unbeabsichtigten Spannungsabfalls im Stromnetz. Dieser zeigt sich darin, dass Glühbirnen kurz dunkel werden, also „braun“. Von diesen „Brown-outs“ sind wir (zumindest soweit ich es überblicken kann) im deutschsprachigen Europa weitestgehend verschont. Ein Brown-Out dauert in der Regel Minuten bis Stunden und ist von kurzen Spannungsschwankungen und Einbrücken, die nur einen Augenblick dauern, zu unterscheiden. Der Abfall wird entweder bewusst herbeigeführt und soll so durch eine Reduktion der Last im Stromnetz von einem vollständigen „Black-Out“, also Stromausfall, schützen. Oder er ist unbeabsichtigt.

Im Business beschreibt ein Brown-Out die „Innere Kündigung“, eine Abwendung von der beruflichen Leistung und eine Art Intraversion aufgrund einer gefühlten Sinnlosigkeit im Berufsalltag. So starten die Betroffenen meist engagiert in eine Arbeitsstelle und bringen hohe Leistungen. Mit zunehmend fortschreitender Zeit empfinden die Betroffenen ihre Aufgaben immer mehr als sinnlos. Der Druck auf die Betroffenen steigt kontinuierlich, aber weniger durch die eigentlichen Aufgaben selbst, sondern vielmehr durch Druck von Außen, durch Kontrollmaßnahmen, Dokumentationspflichten, Powerpoint-Rechtfertigungen und Endlosschliefen ohne Entscheidungen. Diese nicht wertschöpfenden Randaufgaben beanspruchen immer mehr Zeit und diese übersteigt oft die Zeit für die eigentliche Aufgabe um ein Vielfaches.

Deutlich werden diese Brown-Outs heutzutage auch oft im Vertrieb, wo junge Vertriebsmitarbeiter unverbraucht engagiert mit hohem eigenen Anspruch einsteigen, um dann zu erleben, dass sie kontinuierlich steigende Jahresziele erhalten, die ihnen immer unrealistischer scheinen, da sich der Markt und das Umfeld gleich bleiben oder sich der Marktdruck eher verschärft, als abnimmt. Vertriebsmitarbeiter sind dann oft weniger mit dem Verkaufen selbst beschäftigt, als vielmehr damit, sich gut auf etwaige Vorwürfe bei Nichterreichung der Ziele vorzubereiten oder aber einen umfassenden Zeitaufwand in die Vorbereitung der Jahreszielverhandlungen zu legen, um möglichst niedrige oder zumindest in geringerem Ausmaß steigende Ziele zu erhalten.

Oft können diese Teufelskreise nur von Außen unterbrochen werden, wenn sich das Unternehmenssystem bereits „blind“ in diesem Kreislauf festgefahren hat. Es geht dann darum, mit gezielten Interventionen bei Mitarbeitern wieder Sinn zu stiften und gleichzeitig die Umfeldmechanismen zu beseitigen, die den unnötigen Stress bei den betroffenen Mitarbeitern erzeugen.