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Videokonferenzen sowie WhatsApp & Co sind seit COVID-19 und HomeOffice in vielen Bereichen zum Haupt-Kommunikations- und Interaktionstool geworden, um mit unseren Kolleg*innen, Mitarbeiter*innen und Führungskräften in Kontakt zu bleiben.

Viele Diskussionen entstehen aktuell bei unseren Klienten zur Frage, inwieweit sich diese Art der Kommunikation auf die Zusammenarbeit auswirkt. Eine neue Studie von Kluck et al. (2021), die vor Kurzem im International Journal of Psychology erschienen ist, bringt zumindest etwas Licht ns Dunkel und hilft, mit einer wissenschaftlichen Brille dieses Thema zu diskutieren.

Design und Kernfindings

Die Autor*innen des Artikels untersuchten während des ersten Lockdowns und in drei Folgebefragungen in Deutschland vor allem zwei Formen der Kommunikation – der text-basierten Kommunikation (z.B. WhatsApp, etc.) und der audio-visuellen Kommunikation (z.B. Zoom, etc.). Dabei stellten sie sich die Frage, inwieweit diese Kommunikationsmittel einerseits das Gefühl der sozialen Unterstützung und andererseits die soziale Verbundenheit beeinflussen. Die Ergebnisse waren teilweise überraschend:

  • Die häufige Nutzung text-basierter Kommunikation steigert das Gefühl sozialer Unterstützung und Lebenszufriedenheit und damit die Bereitschaft zur Vermeidung physischer Kontakte. Bei audio-visueller Kommunikation konnten sie keine Signifikanz derartiger Effekte nachweisen.
  • Die erwartete Steigerung sozialer Verbundenheit trat bei beiden Medien nicht auf.
  • Andere Studien hingegen weisen jedoch einen Effekt audio-visueller Kommunikation auf die Verbundenheit durchaus nach. Die Autoren führen dies auf die höhere Komplexität der Situation der COVID-19 Krise zurück. Während bei anderen Untersuchungen physische Treffen aufgrund der hohen Distanz nicht möglich waren, ist dies hier der Fall, so dass die Einschränkung auf audio-visuelle Kommunikation als unnatürlicher Ersatz wahrgenommen wurde.

Konsequenzen für Organisationen und Führung

Auch die Studie nicht im organisationalen Kontext erfolgte, so lassen sich doch zumindest Ideen für Führungskräfte und Organisationen hieraus ableiten:

  • Eine alleinige Kommunikation über text-basierte, wie auch audio-visuelle Medien scheint kein Ersatz für echten körperlichen Kontakt.
  • Es lohnt sich in Organisationen neben dem Ausbau der audio-visuellen Kommunikation ebenso über eine viel intensivere Nutzung text-basierter Kommunikationstools nachzudenken. Slack, MS Teams Chat, iMessage oder auch WhatsApp sollten im Führungs- und Zusammenarbeits-Repertoire, gerade bei vertrauten Teams mehr Bedeutung bekommen. Hierzu sind neben der sicheren Bereitstellung auch zusätzliche Schulungen über Nutzungsmöglichkeiten und echte Anwendung im alltäglichen Gebrauch sinnvoll. Gerade im Kontext von gegenseitiger Unterstützung und Hilfeleistung sind diese Tools ein wichtiges Instrument des Wissensmanagements wie auch der effizienten und wirksamen Zusammenarbeit.
  • Die audio-visuelle Kommunikation scheint ihre Daseinsberechtigung vor allem dann zu haben, wenn sich die Teilnehmer nicht oder nur mit hohem Aufwand physisch treffen können. So scheint für globale Teams die Nutzung auch nach der Krise durchaus sinnvoll, eine Nutzung von Büro zu Büro oder die reine Vernetzung vom Home-Office aus scheint jedoch keine Alternative im New Normal.
  • Tools zur Förderung von Kontakt auf Distanz zahlen vor allem auf das Gefühl sozialer Unterstützung ein „Hier werde ich geholfen!“ und weniger auf das Gefühl sozialer Nähe „Hier fühle ich mich dem anderen näher!“ ein. Der Text-Chat ist damit eine hervorragende Form, anderen Teammitgliedern asynchron Fragen oder Informationen zukommen zu lassen, wie z.B. „Morning Check-In: Wie bin ich wann heute erreichbar? Woran arbeite ich?“ oder „Wie geht das…? Wo finde ich…? Wer kann helfen?“

Originalquelle

J.P. Kluck, F. Stoyanova, N.C. Krämer (2021). Putting the social back into physical distancing: The role of digital connections in a pandemic crisis. in: International Journal of Psychology, 2021, https://doi.org/10.1002/ijop.12746