Heute geht es um ein Buch, das sich mit einem Kerngebiet beschäftigt, das mich persönlich interessiert. Ich bin sehr von der Schule der systemischen Strukturaufstellungen des SySt Instituts geprägt, an dem ich ja auch als Gastdozent und Lehrtrainer im Businesskontext aktiv bin. Umso neugieriger war ich auf das Buch, das gerade im Vahlen Verlag erschienen ist.

Das Buch kommt ohne großes Vorwort aus und startet sogleich mit einer Einführung in das Thema, das auch die Struktur und Herangehensweise des Buchs erläutert. Das knapp 200 Seiten starke Buch gliedert sich inklusive der Einleitung (Kapitel 1) in acht Hauptkapitel.

Im Kapitel 2 gehts um Herkunft, Grundlagen und Methode der Aufstellungsarbeit in Organisationen. Dabei wird zunächst auf die Geschichte und Linie verwiesen, in der die Autoren stehen. Dabei wird deutlich, dass bei diesem Buch als Basis das Familienstellen von Bert Hellinger steht. Dies unterscheidet sich in einigen Aspekten deutlich vom SySt Ansatz von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd. Man könnte sagen, dass beide Ansätze die gleichen Wurzeln haben, sich aber der SySt Ansatz an der einen oder anderen Stelle inzwischen weiterentwickelt hat oder an der einen oder anderen Stelle exakter zu deuten ist, als dies bei Hellinger der Fall ist. Diese Differenzierung macht das Buch leider nicht, so dass hier nur auf die Grundlagen des Familienstellens nach Hellinger verwiesen wird. Es geht um die grundsätzlichen Annahmen und Konzepte Hellingers, wie Grundannahmen über Familien und Ordnung sowie andere Aspekte der Aufstellungsarbeit, wie Aktualisierende Repräsentation, Öffnende Wahrnehmung, Objektivierende Stellvertretung, Involvierende Konfrontation, Abstrahierende Reflexion und Fokussierende Verbalisierung.

Im dritten Kapitel wird Wahrnehmen, Erkennen und Verstehen als Aspekte der Aufstellungsarbeit thematisiert.

Um die Methodik des Familienstellen nach Hellinger auf Organisationen zu übertragen, bedarf es eines Verständnisses zu Organisationen und wie diese im Vergleich zu Familien zu deuten sind. Dies erfolgt im Kapitel vier.

Im fünften Kapitel wird eine kurze Zwischenbilanz gezogen und aus Sicht der Autoren angemessene Zielsetzungen für ein Stellen in Organisationen vorgestellt.

Das sechste Kapitel “Organisationsaufstellungen leiten” befasst sich mit Grundhaltungen, Durchführung und konkretem Vorgehen bei der Aufstellungsleitung. Dabei wir auch nochmals die unterschiedliche Haltung zur SySt-Schule deutlich, die beim Berater eher eine “Gastgeberrolle” als eine “machtvolle Leitungsrolle” sieht. Dennoch beinhaltet das Kapitel, wie auch die vorhergehenden viele interessante Aspekte der Aufstellungsarbeit, die auch für Vertreter der SySt Strukturaufstellungen interessant sind.

Kapitel 7 beschäftigt sich mit Rahmenbedingungen und Formaten der Aufstellungsarbeit in Organisationen. Dabei werden auf 10 Seiten Gestaltungsdimensionen wie Teilnehmerzahl, Stellvertreter und Art des Anliegens, sowie verschiedene Formate thematisiert. Diese sind hier weniger die aus der SySt-Schule bekannten, elaborierten Aufstellungsformate, sondern vielmehr die Unterscheidung zwischen Einzelberatung, Gruppe in Stellvertretung und Realgruppe.

Das achte Kapitel beschließt das Buch mit verschiedenen Anwendungsfeldern.

Insgesamt finde ich es ein schönes und rundes Buch, das dem Leser, der sich mit der Übertragung des Familienstellen nach Hellinger auf den Organisationskontext beschäftigen will, zahlreiche Informationen und Ideen liefert. So stört es dann auch nicht, sondern ist nur konsequent, dass die Autoren in ihrem Buch zentralen Bezug vor allem auf die Literatur von Bert Hellinger und Oliver König nehmen. Auch für Anhänger der SySt Schule der Struktur-Aufstellung bietet das Buch einiges an Stoff zum Nachdenken, auch wenn es von dieser Zielgruppe eher vielleicht als vagere Beschreibung wahrgenommen wird. Dies legt vor allem an den dezidierten SySt-Formaten, die dem Gastgeber hier helfen, wohingegen die Aufstellungsarbeit nach Helling deutlich „offener“ ist und damit hie und da auch weniger Halt für den Aufstellungsleiter bietet.

Auch ist der Transfers aufs Business im SySt Strukturaufstellungskontext bereits gut und umfassend gelungen, so dass die von den Autoren einzig erwähnte “Tetralemma-Aufstellung TLA” nur eine kleine Facette an Formaten darstellt, die sich gut auf den Organisationskontext übertragen lassen. Für die Aufstellungsarbeit nach Hellinger bietet diese Buch gute erste Schritte für eine intensivere Übertragbarkeit an.

Tapken, A., & Wübbelmann, K. (2021). Aufstellungsarbeit in Organisationen: Organisationen verstehen und entwickeln mit Systemaufstellungen. Vahlen.

Anmerkung zur Transparenz: Das Buch wurde dem Autor dieses Artikels vom Verlag kostenlos zur Rezension zur Verfügung gestellt. Die Meinung des Autors ist hiervon jedoch nicht beeinflusst.