Mit dem im Campus Verlag in 2019 erschienenen Buch legt das systemische Beratertrio der WSFB Beratergruppe aus Wiesbaden ihr erstes Buch zum Thema systematisches Changemanagement vor. Da die WSFB von brand eins mehrfach mit der Auszeichnung “Bester Berater” ausgezeichnet wurde, umso mehr ein Grund, das Buch etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Das Buch gliedert sich klassisch in fünf Hauptkapitel, die im Folgenden gleich stichwortartig beschrieben werden:

  • “Was Veränderung anspruchsvoll macht”:
    Hier wird anhand eines Beispiels in die Sichtweise und (Denk-)Modelle der Autoren eingeführt. In diesem Kapitel wird der systemische Hintergrund deutlich, der Organisationen als soziale Entscheidungssysteme Luhmann’scher Schule versteht. Das Buch lässt sie hiermit gut in die Tradition von Change-Ansätzen ähnlicher Denkmodelle und Denkschulen einordnen. Wichtiger Kernpunkt in diesem Kapitel ist der WSFB “System-Diamant”, der wohl auch den Kern des Beratungsansatzes der WSFB darstellt und neben Entscheidungen als Kern von Unternehmen als Systemen weitere Systemvariablen enthält, die über Change gestaltet werden sollen/ können, um das Entscheidungsverhalten von Organisationen zu verändern (z.B. Mentale Modelle, Muster, Narrative, Aufbaustruktur, Prozesse, Business, Management- und Bewertungssysteme und Ressourcen (Bormann et al, 2019, S. 34).
  • “Was Veränderungen gelingen lässt”:
    Dieses Kapitel schreibt Erfolgsfaktoren von Change aus Sicht der Autoren. Hierzu gehören vor allem die gemeinsame Arbeit am Change (Co-Creation), die intelligente Verknüpfung weicher und harter Faktoren sowie die aktive Rolle von Führung im Change. (Bormann et al., 2019, S. 53 ff.) Besonders gut finde ich in diesem Kapitel, dass deutlich wird, dass die Autoren viel Erfahrung in Changeprozessen haben und diese dem Leser gut zur Verfügung stellen)
  • “Wie sie ihr Veränderungsvorhaben zielführend angehen”:
    Dieses Kapitel beschäftigt sich ausführlich mit einem guten Start von Change-Vorhaben und weit darüber hinaus. Neben den Themen Zieldefinition und Key Playern geht es vor allem um die Organisationsdynamik, deren Verständnis wesentlich für das Gelingen von Veränderungsvorhaben ist. Die Idee, nicht gegen den Strom der Organisation zu schwimmen, sondern gut auf ihren “Mustern” zu surfen, um die Veränderung ins Laufen zu bringen, ist den Autoren ein wichtiges wie richtiges Anliegen. Die hier dargestellten Tools zeugen auch hier von viel Praxiserfahrung und pragmatischer Expertise.
  • “Kreieren Sie ihre Veränderungsarchitektur”:
    Im vierten Hauptkapitel geht es von allem um die wesentlichen um die Frage, wie ein Change Projekt strukturiert sein sollte, um die Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen (Garantien gibt es meiner Erfahrung nach im Change nicht). Neben wichtigen Architekturelementen geht es auch um die Frage, wie wichtige Beteiligte am Change gut eingebunden werden können. Projektgruppen und Vernetzungsgruppen sind einige Formen, die in der systemeichen Beratung im Rahmen von Change-Vorhaben ebenso nachhaltig erprobt sind, wie ein schleifenartiges, interaktives Vorgehen bei der Changegbearbeitung (siehe auch Königswieser, Wimmer, Hastiger, etc).
  • “Setzen sie ihr Veränderungsvorhaben wirksam um”:
    Das letzte Kapitel fokussiert auf die Sicherstellung der Wirksamkeit der Veränderungsmaßnahmen. Dabei wird vor allem auf die Themen Kommunikation, Monitoring und das co-kreative Arbeiten (sprich die iterative Zusammenarbeit zwischen Organisation, Projekt und Beratung) abgestellt. Ergänzt wird das Kapitel um sieben Interventionen zu Musterwechseln der Organisation, wie Fragen, Reflexion, Organisation von Entscheidungen, etc. Alle Interventionen sind sehr praxisnah und anwendbar vorgestellt.

Wenn auch inhaltlich nichts bahnbrechend Neues aus Sicht der systemeichen Beraterlandschaft (dafür hat die systemische Perspektive inzwischen eine zu lange Tradition), so schafft es dieses Buch dennoch in genialer Art und 

Weise, die oft trockene und teils in anderen Büchern etwas “angestaubte” systemische Sichtweise von Change in einer sehr klaren, jungen und “spritzigen” Form dem interessierten Leser nahezubringen. 

Die vielen Praxisbeispiele helfen, die in anderen Büchern dieser Art oft rein theoretisch oder mit vagen Andeutungen zur Praxis dargestellten Methoden und Konzepte in einer Art zu präsentieren, die ich vorher noch nicht in dieser Form gesehen habe. Dies hilft dem Berater wie Praktiker gleichermaßen, Changeprozesse aus einer systemischen Sicht heraus besser zu verstehen und tatsächlich eigene Changevorhaben mit ganz konkreten Ideen besser anzupacken.

Dies macht das Buch äußerst empfehlenswert für den Praktiker und jungen Berater gleichermaßen und betont seine absolute Berechtigung in der Bücherflut zum Thema Change.  

Ein Wermutstropfen ist für mich sicherlich der etwas sehr vereinfachte Umgang mit Quellen und Referenzen: Am Ende des Buches findet sich zwar ein Literaturverzeichnis mit den verwendeten Quellen. Zahlreiche konkret verwendete Konzepte und Ideen sind jedoch beim Auftreten im Buch nicht explizit gekennzeichnet. Dies macht es für den Nicht-Experten schwer zu deuten, welche Elemente und Tools neu, welche bekannte und wiederverwendete Ansätze darstellen und ermöglichst es kaum, bestimmte Aspekte gezielt in den Ursprungsquellen zu vertiefen.

Alles in allem ein sehr sehr gelungenes Buch, das ich allen systemische Beratern, Führungskräften und OE Experten nahe legen kann, die sich mit Change näher beschäftigen wollen oder müssen und sich hierzu mit einer soliden, klassisch-erprobten, praxisnahen systemischen Sichtweise ausrüsten wollen. Die Besonderheit dieses Buchs aus meiner Sicht sind die praxisnahe und anwendungsorientierte und systemisch fundierte Herangehensweise an das Thema.

Uneingeschränkt lesenswert!

Anmerkung zur Transparenz: Das Buch wurde dem Autor dieses Artikels vom Verlag kostenlos zur Rezension zur Verfügung gestellt. Die Meinung des Autors ist hiervon jedoch nicht beeinflusst.

Bormann, H.-W./ Benfer, M./ Bormann, G., Change durch Co-Creation, Campus Verlag: Frankfurt/ New York 2019

 

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