Agile Systemik - xm-institute - Dr. Oliver MackIm ersten Artikel der Serie ging es um eine erste Hinführung zum Thema. Heute möchte ich einen Gedanken aufgreifen und weiterführen, den ich gerade bei einer systemsicheren Sichtweise der Agilität für sehr entscheidend halte. Es stammt von einem meiner Lehrer, Matthias Varga von Kibéd vom SySgt Institut. 

Systemisch – Systemischer

Es geht um die Frage, was eigentlich “systemisch” ist. Er sagt, dass ein Gedanke, ein Konzept oder Ansatz umso systemischer ist, je mehr man von der Betrachtung der Eigenschaften der Elemente eines  Systems Abstand nimmt und je mehr man sich auf die Beziehungen zwischen den Elementen fokussiert. So wäre auch eine absolute Beschreibung des Begriffs “systemisch” nicht wirklich systemisch, da sie auf Eigenschaften beruhen würde. So könnte man sagen, man muss nicht wissen, was “systemisch” ist, um zu wissen was “systemischer” ist.

Doch was bedeutet nun ein “systemischerer” Blick im Unternehmensalltag? Nun ja, sich dort, wo immer es geht vom Blick auf die einzelnen Elemente mit deren Eigenschaften zu verabschieden und mehr auf die Art und Weise des Zusammenhangs zu schauen. Hier einige Beispiele eines systemsicheren Blicks:

  • Führungsfokus: Führungskräfte sollten sich weniger mit den einzelnen Mitarbeitern und deren Fähigkeiten beschäftigen, als vielmehr mit der Kommunikation und Interaktion in ihren Verantwortungsbereichen. Meist liegt der Schlüssel für Verbesserungen nicht im Einzelnen, sondern in der Art und Weise der Zusammenarbeit.
  • PE/OE: Eine Personalentwicklung (PE) alleine oder getrennt von der Organisationsentwicklung (OE) ist weniger systemisch, da sie vor allem den Blick auf Eigenschaften von Individuen lenkt. Eine systemsichere Herangehensweise an PE würde immer die Person im Kontext ihrer organisationalen Einbettung betrachten und damit ganz andere Entwicklungs- und Trainingskonzepte bevorzugen als eine personenzentrierte Sicht.
  • Teams: Auch bei Teams gehts weniger um die einzelnen Personen und wie das Team durch diese besetzt ist. Vielmehr liegt der Schwerpunkt auf der Art und Weise der Kommunikation und Zusammenarbeit im Team. Und dies nicht nur im Team, sondern über das Team hinaus im gesamten Netzwerk der Organisation.

Systemischer agil

Eine systemsichere Betrachtung der Agilität bedeutet nun, dass man bei allen Aspekten von Agilität weniger auf die Objekte und deren Eigenschaften schaut, als vielmehr auf die Art und Weise von deren Zusammenhang. Nur ein paar weitere Beispiele:

  • So geht es bei einem SCRUM Master weniger um seine Eigenschaften und seine Zertifizierung zum SCRUM Master, sondern vielmehr um die Art, wie er mit den Teams und der Organisation umgeht und in Wechselwirkung steht.
  • So geht es bei einem Dreamteam weniger um die einzelnen Experten im Team, sondern vielmehr auch um die Art und Weise des Zusammenspiels und damit auch die Lerngeschwindigkeit, die das Team hieraus gewinnt.
  • So geht es bei einem Daily weniger um die Erfüllung oder Kriterien aus dem SCRUM Guide. Um es zu einem guten Daily werden zu lassen, sondern vielmehr darum, wie das Daily in den Alltag eingebettet ist und welche Dynamik hieraus entsteht und entstehen kann.
  • So geht es beim KANBAN Board weniger darum, eine exakte Anweisung umzusetzen, wie ein KANBAN Board auszusehen hat, sondern vielmehr darum, wie es sich nutzbringend in den Kontext zwischen Team, Auftraggeber und Arbeit einbringt.

Ein systemischerer Blick hilft nun auch dabei, sich vor dem Risiko einer zu vereinfachten Sichtweise zu schützen – davor, dass man zu sehr damit beschäftigt ist, ein agiles Arbeiten nach Lehrbuch “richtig zu machen” und sich damit der Gefahr aussetzt, den Kontext zu vergessen, der sowohl von Organisation zu Organisation, als auch über die Zeit hinweg sehr unterschiedlich sein kann. Allzu schnell stürzt man bei Ignoranz oder mangelnder Würdigung der Komplexität die Klippe zum Chaos hinab, wie es Dave Snowden formulieren würde.

Agil – Agiler

Und so kann auch die Agilität selbst mit dieser komparativen Brille betrachtet werden. Muss ich, um eine agile Transformation einzuleiten und umzusetzen tatsächlich wissen, was “agil” bedeutet? Oder genügt es nicht zu wissen, was “agiler” bedeutet. Exakt dieses Verständnis ist es, das meines Erachtens in vielen Fällen der Schlüssel zur agilen Transformation einer Organisation darstellt und nicht das Benchmarking mit anderen Organisationen oder die Anwendung eines Reifegradmodells, das mir meine Lücke zur “Agilität” vor Augen führen soll.

Das xm-institute Curriculum „Agile Systemik“

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Frühere Beiträge dieser Serie

Und bleiben Sie dran an weiteren Folgen unserer Reihe „Agile Systemik“:

Agile Systemik (1): Alles wird agiler