Alle werden “agil”

Agile Systemik - xm-institute - Dr. Oliver MackAgilität kann aktuell als das dominierende Management-Konzept gesehen werden. Niemand kommt im Unternehmensalltag mehr darum herum. Fast alle Organisationen haben sich sich in den letzten Jahren in der einen oder anderen Weise mit diesem Thema, oder wie es Alfred Kieser bereits vor einigen Jahren beschrieben hätte, mit dieser Management-Mode (Kieser, 1997) beschäftigt. So sind die Pioniertage der Agilität vorbei und wir scheinen uns gerade in der Phase der Marktdurchdringung zu befinden.

Doch was sich genau hinter dem Begriff der Agilität verbirgt bleibt oft unklar. Die Definitionen und Konzepte sind zahlreich und betonen unterschiedlichste Ebenen wie Individuen, Teams oder ganze Organisationen. Das agile Team, die agile Organisation gilt es zu erreichen, um die zunehmende Umfelddynamik in VUCA Welten besser bewältigen zu können. Aber auch jeder Einzelne muss agiler werden, flexibler und veränderungswilliger zum Wohle aller in der Organisation, so wird es häufig beschrieben. Inzwischen hält der Begriff aber auch als “Vorsilbe” in jegliche Art von Fachdisziplin und Expertendomäne Einzug: War es zunächst vorrangig dem Ursprung der Bewegung folgend die agile Softwareentwicklung, so gibt es inzwischen bspw. Auch die Agile HR, das Agile Leadership Development, Agiles Lernen, Agiles Controlling oder Agiles Change Management.

Doch was ist das nun – Agilität? Umschreibt und übersetzt man „Agilität“ als „Wendigkeit“, so geht es vor allem um die Flexibilisierung von Organisationen und Teams. Und dieses Thema ist wahrlich nicht neu. Neu sind vielleicht die nun mit Agilität in Verbindung gebrachten Tools, Frameworks und Mechaniken und die Betonung spezifischer Prinzipien und Werte, die in einigen Unternehmen seit Jahren für  erfolgreiches Prosperieren stehen. Um etwas Licht ins Dunkel des agilen Dschungels zu bringen, haben wir bereits 2018 das “Agile Prisma” entwickelt. (Mack, 2018). Und dabei wird deutlich, das Agile Tools, Methoden und Frameworks nur die Spitze des Eisbergs sind. Darunter liegen dann die agilen Prinzipien, die häufig bereits als sehr vage wahrgenommen werden und als Basis die agilen Werte aus dem Agilen Manifest, die zwar leicht propagiert werden können, häufig in agilen Initiativen aber nicht mit einem klaren werteorientierten Management systematisch hinterlegt und gestützt werden.

Und so geraten trotz vieler guter Bücher, Berater und Experten geraten dennoch zumindest aus unseres Erfahrung viele Initiativen zu mehr Agilität ins stocken. In unserer Artikelserie „Agile Systemik“ wollen wir einige Facetten und Gedanken aufgreifen, die unserer Ansicht nach einen Teil beitragen können, die Reise zur Agilität wirksam zu unterstützen. Ein Schlüsselpunkt ist hierbei aus unserer Sicht das Thema „Systemik“. 

Das Systemische in der Agilität

Vieles der bisher beschriebenen Aspekte sind nichts Neues. Schon immer strebt das Management von Organisationen danach, diese flexibler zu gestalten, auf Kundenwünsche und Umfeldveränderungen schneller zu reagieren und auch “große Tanker” zu “Schnellboot-Flotten” umzugestalten. Die Wurzeln der agilen Bewegung ankern unter anderem im Boden des Lean Managements, des Continuous Improvements und anderen Managementkonzepten der 70er bis 90er Jahre. Und diese wiederum beruht auf vielen Erkenntnissen der 60er und 70er Jahre, die sich mit den Vordenkern dieser Zeit beschreiben lassen: Systemtheoretiker, Biologen, Physiker der Bewegung der Komplexitätstheorie, der Kybernetik und der Theorie technischer wie sozialer Systeme. Namen wir Gregory Bateson, Heinz von Förster, Virginia Satir, George Spencer-Brown, Francisco Varela, Humberto Maturana, Louis Kauffman, oder Steve de Shaker, Insoo Kim Berg, aber auch aktuell Dave Snowden, Gunther Schmidt, Fritz Simon, und natürlich das SySt Institut von Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer und viele andere mehr. Nur wenn man hin und wieder auf diese Wurzeln zurückgeht sieht man das eine oder andere etwas klarer und kann vielleicht zu Ansätzen kommen, die bei der Implementierung von Agilen Konzepten nützlich und wirksam sind.

Agile Systemik – Die Verbindung zweier Welten

In vielen aktuellen Publikationen wird dieser Punkt gerne übersprungen oder verkürzt, was scheint, wie wenn einer Pflanze die Wurzel gekappt wird. Dies birgt das Risiko des Cargo Cults (LINK), so getan wird, als sei man agil, aber die gewünschte Wirkung ausbleibt und nach der ersten Entäuschung agile Konzepte vom Management ernüchtert aufgegeben werden. So haben wir die Erfahrung gemacht, dass erst die konsequente Verbindung der aktuellen agilen Konzepte mit ihren systemischen Wurzeln , die Pflanze in ihre volle Blüte bringt, um bei dieser Metapher zu bleiben. 

In den folgenden Beiträgen werden wir auf den einen oder anderen Aspekt noch eingehen. Ein kleiner erster Gedanke hier zum Schluss…

Agil oder Agiler?

Management stellt sich häufig die Frage, was bedeutet eigentlich agil und welches Projektvorgehen bringt uns dort hin. Ein systemischer Blick würde diese Frage vermutlich so nicht stellen. Die entscheidendere Frage wäre jedoch vielmehr: Woran würden wir erkennen, dass wir agiler arbeiten als momentan? Dies lässt sich häufig leichter beschreiben als der absolute Zustand der „Agilität“ eines Teams oder einer Organisation. Und das wäre ein erster Schritt zu einer systemischeren Sichtweise der Agilität.

Mehr in den folgenden Artikeln. 

Referenzen

Kieser, A. (1997). Rhetoric and Myth in Management Fashion. Organization, 4(1), 49–74. https://doi.org/10.1177/135050849741004

Mack, O. (2018). Die SO…Agile Organisation (3): Das xm-i SO…Agile PRISMA. xm-institute Blog. https://xm-institute.com/xm-blog/die-so-agile-organisation-3-das-xmi-so-agile-prisma/ Received: 26.11.2021.

 

Das xm-institute Curriculum „Agile Systemik“

Wer tiefer in diese Materie einsteigen will, dem sei unser Curriculum „Agile Systemik“ von Dr. Oliver Mack empfohlen. In 4×2 Tagen steigen wir hier tief in die Verbindung der beiden Welten ein.

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