Neue ZOOM Sicherheitslücken?

UPDATE: 10.08.2020 – 16:37 – Zoom Security Ergänzung

Viel hat sich in den letzten Wochen getan, bei ZOOM. Seit ich meinen ersten Übersichtsartikel zu den Sicherheitslücken veröffentlicht hat das Unternehmen mit seiner Sicherheitsoffensive so gut wie alle Lücken geschlossen. Leider erlebe ich weiterhin eine hohe Skepsis gegenüber ZOOM in deutschen und österreichischen Unternehmen, doch ich hoffe, dass sich dies in den kommenden Monaten zumindest ein wenig ändern wird. Nachdem nun um Juli die Sicherheitsoffensive beendet wurde, hat sich in der Zwischenzeit wieder einmal ein Hacker zu Wort gemeldet und von einer weiteren Sicherheitslücke berichtet: AM 16. Juli ging es darum, das Angreifer vorgeben können, aus einer spezifischen Organisation zu kommen (Link). Doch auch diese Lücke wurde bereits mehrere Tage später geschlossen. (LinkUpdate: Auch wurden heute weitere Sicherheitslücken gemeldet, die auf der Hacker-Konferenz Def Con 28 vorgestellt wurden. Dabei handelt es sich vor allem um zahlreiche Lücken in der Linux Version. Doch auch hier gilt: Genau lesen: Die Lücken wurden bereits im April und Juli vom Hacker in einer privaten Nachricht an ZOOM gemeldet. ZOOM hat mit Version 5.2 offenbar diese bereits am 3.August 2020 behoben (Link)   Somit kehrt wohl der normale Alltag ein, da KEINE Software ohne Sicherheitslücken ist und dies hoffentlich auch ZOOM zugestanden wird, wie auch allen anderen Videoconferencing-Anbeitern, die ja ebenso wie ZOOM in regelmäßigen Abständen Sicherheits-/ und Fehler-Updates ihrer Produkte bereitstellen. DAHER WIE BEI ALLER SOFTWARE GAAANZ WICHTIG: Immer auf die aktuelle Version updaten!!!!!!

ZOOM fatique, Microsoft Teams und der Wettstreit um neue Features

Ein anderes Thema, das sich nun wie „TEMPO-Taschentücher“ oder „Coke“ breitmacht, ist unter dem Begriff „ZOOM fatique“ zu finden. Auch wenn das Thema seinen Google-Trends Höhepunkt an Suchanfragen (Link) bereits im April/Mai hatte, beschäftigt es doch viele Teilnehmer meiner Online Workshops immer noch bzw. erst jetzt so richtig. Ausgangspunkt waren nicht zuletzt zwei Artikel im National Geographic und BBC, zwei renommierten Online-Medien, die sich mit dem Thema beschäftigt haben. Zoom fatigue ist ein Phänomen, das sich mit umschreiben lässt, dass sich viele Menschen nach einem ganzen Tag Videokonferenzen deutlich erschöpfter fühlen, als wenn sie dieselbe Menge an Interaktion live durch geführt hätten. Dies findet allerdings nicht, wie der Name hier suggeriert, nur bei Zoom statt. Auch alle anderen Videokonferenz-Systeme sind gleichermaßen betroffen. Doch woran liegt dies? Menschen kommunizieren in der Regel nicht nur mit verbaler Sprache, sondern auch in deutlich höherem Maße durch Körpersprache. Kleine Bewegungen, das Atmen, der Wimpernschlag, Verkrampfungen, all dies zählt zur Körpersprache. Und diese ist in Videokonferenzen deutlich schwerer wahrzunehmen:

  • Schlechte Bildqualität oder ein sehr kleines Bild in der Videoüebrsicht reduziert die Möglichkeiten der Wahrnehmung in der Mimik.
  • Die reine Darstellung des Kopfes ohne Oberkörper verhindert die es, die „neapolitanische“ Armsprache zu erfassen. Die Arme und Hände sind schlichtweg nicht sichtbar.
  • Eine schlechte Tonqualität verhindert ebenso die Wahrnehmung verschiedener Nuancen in der Sprache oder das Hören/Spüren der Atmung des Gegenübers.
  • Bei natürlichen Sprechpausen, die sonst eher natürlich und entspannend wirken, können in Videochats eher Besorgnis auslösen, dass die Technik gerade versagt.
  • Man ist ebenso bei Gruppen-Videokonferenzen stärker auf sich allein gestellt. Es lässt sich nicht der Sitz-Nachbar mal schnell so fragen, worum es gerade ging, wenn die Gedanken einmal abgeschweift sind (was bei Menschen ganz normal ist).
  • Für Sprechende kann die Rolle vor der Kamera zu einer Art „Lampenfieber“-Effekt führen, der Stress erzeugt.

Die Probleme verstärken sich durch den Blick des Sprechenden, der in der Regel auf den Bildschirm und nicht in die Kamera gerichtet ist. Damit hat das Gegenüber das Gefühl, nicht direkt angesehen zu werden. Man fühlt sich quasi ignoriert. Dies reduziert gerade in Gruppen-Videochats die  Aufmerksamkeit vieler Teilnehmer. Ergänzend zur stärkeren Ermüdung kommt hinzu, dass auch Ablenkungen leichter möglich sind. So arbeiten ggf. Teilnehmer noch mal schnell die Mails nebenbei auf oder schauen sich den Chat an. Dies führt zu einer eher partiellen Wahrnehmung, die in Konferenzen, bei denen Video keine Pflicht ist, und sich damit die Teilnehmer eher „unbeobachtet“ fühlen, noch zunimmt. Auch dies erhöht die Unzufriedenheit und die Ermüdungserscheinungen. Doch was kann dagegen getan werden, der Zoom fatique zumindest teilweise zu entgehen? Der renommierte Harvard Business Review sieht verschiedene Ansätze, um der neuen Müdigkeit Herr zu werden:

  • Videokonferenzen vermeiden, wenn auch andere Ansätze funktionieren: So kann man sich vielleicht mal eine Konferenz sparen, indem man ein Office-Dokument etwas ausführlicher kommentiert oder untertags mal kurz zum Telefonhörer oder zum Chat greift. Videokonferenzen müssen NICHT der neue Meeting-Standard bei verteilten Teams und Home-Offices werden. Genießen sie die Möglichkeit, vielfältigere Kommunikationsformen zu wählen, die wir im neuen Normal zur Verfügung haben.
  • Ablenkungen vermeiden: Versuchen sie alle Ablenkungen, die während einer Videokonferenz entstehen können, zu vermeiden. eMail-Programm schließen, Chats auf stumm schalten, Mobiltelefon weglegen oder ausschalten. Dies hilft dem Gehirn, sich besser zu fokussieren. Achten Sie ebenso auf ausreichend Pausen, in denen sie aufstehen, herumgehen, in die Weite schauen oder auch mal ihren Hund, ihre Katze, ihre Kinder oder ihre*n Partner*in wieder mal von Angesicht zu Angesicht betrachten.
  • Eigenen Kontext und die Video-Einstellungen richtig gestalten: Helfen sie sich und anderen, indem sie ihr Gesicht gut ausleuchten, so dass man sie gut erkennen kann. Auch ist es hilfreich, wenn man nicht nur ihren Kopf, sondern den gesamten Oberkörper sieht, besonders wenn sie sprechen. So können Gesten leichter mitverfolgt werden und sie haben ggf die Möglichkeit, auch mal beim Sprechen aufzustehen. Alleine für diese Punkte lohnt häufig bereits die Anschaffung einer externen Videokamera. Auch hilft ein neutraler oder ruhiger Hintergrund, die Ablenkung der Zuschauer weiter zu reduzieren. Einige Programme bieten die Möglichkeit, eigene Hintergrundbilder einzublenden oder sogar, wie Microsoft Teams, den aktuellen Hintergrund weichzuzeichnen.

Technologie- und Feature-Offensive der ZOOM-Konkurrenz

Doch auch technisch versuchen nun Anbieter, dem Problem mit neuen Konzepten Herr zu werden: So nutzt gerade Microsoft Teams die Zeit, den selbstverordneten Sicherheits-Fokus von Zoom mit neuen Feature-Ankündigungen zu kontern.

Large Gallery View - Microsoft

Large Gallery View
Source: Microsoft

So rollt Microsoft nun im August verschiedenen neue Anzeigemodi aus, wie beispielsweise einen „Large Gallery View“, der wie Zoom bis zu 49 Personen gleichzeitig auf einem Bildschirm darstellen kann. Ferner hat Microsoft laut eigenen Angaben erforscht, wie Videokonferenzen weniger ermüdend für die Teilnehmer sein können. Im sogenannten „Togehter Mode“ sind die Teilnehmer nicht mehr in kleinen viereckigen Fenstern zu sehen, sondern werden auf eine virtuelle Umgebung, wie z.B. auf die Sitze eines Hörsaals projeziert. Hierzu werden die einzelnen Videos vom Hintergrund freigestellt und auf einem Sitz platziert. Je nach Anzahl der Teilnehmer ändert sich auch die Größe des Hörsaals. Diese natürlichere Sicht oll das Gehirn entlasten und die Aufmerksamkeit der Teilnehmer steigern. Für wenige Teilnehmer sollen zukünftig auch andere virtuelle Umgebungen, wie z.B. eine Kaffeetheke bereitstgetellt werden. Details hierzu gibts im obigen link. Doch auch ZOOM hat ebenso wieder etwas mehr an Fahrt aufgenommen, was neue Features betrifft. Mit der am 5.8.2020 veröffentlichten Version 5.2 (Releasenotes im ZOOM Blog) gibt es bereits zahlreiche nützliche wie lustige Neuerungen, wie mehr Emoji’s um Reaktionen einzublenden, Video-Filter und erweiterte Videoeinstellungen, um das eigene Bild bei schlechten Lichtverhältnissen weiter zu verbessern und eine Beta-Version, die es ermöglicht, das eigene Bild während einer Präsentation klein im Eck einzublenden und die Präsentation (Powerpoint oder Keynote) als Hintergrund zu verwenden. Es bleibt als spannend im Wettstreit um die beste Video-Conferencing Software…