Dr. Oliver Mack SHU-HA-RI - Thought Bite - Photo by Thao Le HoangIn diesem Thought Bite gehts um SHU-HA-RI. Nein, dies ist kein neues Gericht mit der Nummer 29 auf der Speisekarte des Asiaten unseres Vertrauen. Vielmehr handelt es sich um ein Prinzip aus der asiatischen Kampfkunst, das im Business durch seine Anwendung im Rahmen des Toyota Production Systems oder auch Lean Management bekannt geworden ist.

Shu-Ha-Ri beschreibt den Lernweg, den ein Schüler bestenfalls beschreiten sollte. Es ist der Weg vom Anfänger (Shu) über den Lehrling (Ha) bis hin zum Meister (Ri).

SHU – Folgen: Anfänger sollten zunächst „folgen“ und neue Vorgehensweisen und Muster versuchen, perfekt zu imitieren. Dabei ist es hilfreich, zunächst Schritte langsamer einzuüben oder bei einer komplizierten Musterabfolge diese in einzelne Schritte zu zerlegen und diese einzeln zu üben und zu imitieren. Dies fühlt sich immer unangenehm an, da in diesem Stadium das Gehirn umlernt. Auch wenn man es gerne anders tun würde, muss man in dieser Stufe mit dem „Bewusstsein“ arbeiten und sich stark auf die Schritte konzentrieren. Führerscheininhaber kennen das vom Fahrschulunterricht. Man versucht, z.B. beim Abbiegen, den exakten Vorgang einzutrainieren: „Abbremsen. Blinken. Runter schalten bis in den 2. Gang. Schauen. Abbiegen. Hochbeschleunigen. Blinker prüfen.“ Idee ist hier, die Schritte langsam aber perfekt einzutrainieren.

HA – Flüssig: In dieser Phase gehen die Schritte in das motorische Körper-Gedächtnis über und man kann sie ausführen, ohne viel über sie nachdenken zu müssen. Schritt für Schritt wird der Sinn hinter den Schritten klar und man wendet sie sogar das eine oder andere mal in anderen Kontexten an. Um beim Autofahren zu bleiben: Vielleicht wendet man ja die neue Routine nun auch beim Radfahren an. Im Business Kontext orientieren sich die Mitarbeiter dann an spezifischen Prozessen oder Mustern, ohne viel darüber nachdenken zu müssen.

RI – Abkoppeln: Meister in einem Prozess oder Muster können von diesem manchmal abweichen. So kann es Sinn machen, sich in bestimmten Situationen nicht an das vorgegebene Muster zu halten. Man hat die hinter der Abfolge liegenden Prinzipien und Philosophien so verinnerlicht, dass Abweichungen zu bestimmten Situationen ggf. zu besseren Ergebnissen führen.

Die drei Schritte lassen sich auch mit dem Cynefin-Framework (siehe z.B. mein Blogpost) in Verbindung bringen:

  • SHU entsprich der Domäne „KLAR“, dem Best Practice. Man ist am Besten bedient, wenn man sich strikt an die Regeln hält und alles genau so wie definiert durchführt.
  • HA entspricht der Domäne „KOMPLIZIERT“ und damit dem „Good Practice“. Experten erkennen, was zu tun ist und führen die Schritte ohne viel Nachdenken aus. Sie erkennen vielleicht auch andere Situationen, in denen sie ihr gelerntes Repertoire anwenden können.
  • RI entspricht der Domäne „KOMPLEX“ und damit dem Experimentieren. Meister der Komplexität versuchen den Kontext und die Ideen von bestimmten System-Dynamiken zu erkennen und hiernach zu handeln, ggf. auch in neuer Art.

Doch nicht nur mit dem Cynefin Framework lassen sich die Schritte verbinden. Auch die Lernebenen nach Bateson sind in ähnlicher Weise strukturiert und können so als theoretische Grundlage dienen, um SHU-HA-RI weiter zu fundieren.

Als Gedankenraster ein, wie ich finde sehr nützliches Instrument, das auch in der Agile Community zunehmend Anklang findet. Wir nutzen dieses Prinzip ebenso mit viel Erfolg bei unseren Klienten.

Weitere Verbindungen zum Thema im „Thought Bite: KATA“