Je mehr Selbstorganisation und Neue Führung en vogue ist, desto mehr stellt sich ebenso die Frage nach dem “richtigen” Umgang mit Teamkollegen im Sinne der gemeinsamen Ausrichtung, nach notwendigen gemeinsamen Strukturen und Prozessen sowie einer effizienten und Wirksamen Interaktion, Kommunikation und Koordination der Aktivitäten. Ein wichtiger Aspekt ist hierbei die Kommunikation zwischen Menschen. Viele sehen in ihr, insbesondere in der Sprache, den Schlüssel, der es uns im Gegensatz zu anderen Lebewesen ermöglicht, in größeren Einheiten als einer überschaubaren Sippe zu agieren und größeres zu leisten. Nicht zuletzt deshalb möchte ich heute ein wenig mehr über Kommunikation nachdenken.

Paul Watzlawik et al. (2011) haben hat bereits 1967 ein Grundlagenwerk zur Kommunikation geschrieben, in dem fünf Axiome der Kommunikation beschrieben sind, die ich etwas näher beschreiben möchte:

#1 “Man kann nicht nicht kommunizieren.” (Watzlawik et al, 2011, S. 60)

Das wohl bekannteste der Axiome macht deutlich, dass wir immer kommunizieren, sobald wir in Interaktion, ja in Kontakt oder sogar nur Nähe zu Anderen stehen. Auch ein Schweigen kann Kommunikation sein.

#2 “Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.” (Watzlawik et al, 2011, S. 64)

„Die Ampel ist rot!“ ist ein häufiges Beispiel, an dem dieses Axion deutlich wird. Neben der inhaltlichen Aussage, können hier die unterschiedlichsten Aspekte mitschwingen – „bist du blind!“, „halte an!“, „kannst Du nicht autofahren?“, “Ich sehe mehr als du, ich bin besser als du, …” Eine reine inhaltliche Kommunikation ist nicht möglich. Und je nachdem welche Beziehung zwischen den Personen existiert, kann auch die inhaltliche Kommunikation beeinflusst oder beeinträchtigt werden.

#3 “Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt” (Watzlawik et al, 2011, S. 69 f.) 

Kommunikation verläuft nicht linear, sondern wie bei allen komplexen Systemen in Rückkopplungsschleifen in Form von Reiz-Reaktions-Schleifen. Gestörte Beziehungen liegen oft in das Annahme, dass der andere Gesprächspartner über die gleichen Informationen verfügt wie man selbst und das Verhalten des Gegenübers zur Self-Fulfilling Prophecy wird. 

#4 “Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten. Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax, aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik. Analoge Kommunikationen dagegen besitzen dieses semantische Potenzial, ermangeln aber der für eindeutige Kommunikation erforderlichen logischen Syntax.” (Watzlawik et al, 2011, S. 78) 

Kommunikation kann analog, durch Zeichnungen, Symbole, Kunst, etc. Erfolgen, oder aber digital, wie Sprache. Inhaltliche Aspekte werden häufig über digitale Kommunikation, Gefühlsaspekte durch analoge Kommunikation ausgedrückt. Schwierig wird es, abstrakte Begriffe, wie Lebendigkeit, Zuneigung, etc. rein über digitale Kommunikation auszudrücken. 

Analoge Kommunikation kann zwar komplexe Sachverhalte einfacher oder schneller ausdrücken, aber auch mehrdeutig sein. Digitale Kommunikation ist eindeutiger im Ausdruck, wobei sich Beziehungsaspekte jedoch schwieriger ausdrücken lassen.  

#5 „Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichgewicht oder Unterschiedlichkeit beruht.“ (Watzlawik et al, 2011,)

Dieses Axiom weist auf zwei unterschiedliche Arten der Kommunikation hin. Ist Kommunikation  komplementär, so entsteht immer eine Art Hierarchie zwischen des Gesprächspartnern. Hierarchie meint hierbei nicht eine Über- oder Unterordnung. Die Partner können sich auch in ihrer Unterschiedlichkeit ergänzen. 

Ist die  Kommunikation symmetrisch, so erfolgt sie gleichwertig in der Position. Die Kommunikation erfolgt hier auf Augenhöhe. 

In prägnanter Art und Weise beschreiben Watzlawik‘s fünf Axiome wichtige Aspekte der Kommunikation. Sich diese immer wieder zu vergegenwärtigen, kann helfen, einerseits sein eigenes Kommunikationsverhalten zu reflektieren und Biases oder Probleme in der Kommunikation für sich selbst aufzudecken, oder aber gemeinsam, wenn diese im Gespräch auftauchen, eine Basis zu haben, mit dem Gesprächspartner sich in einer Art Metakommunikation über verschiedene Kommunikationsaspekte auszutauschen.

Quellen

Watzlawik, P./ Bevin, J.H./ Jackson, D.D. Menschliche Kommunikation. Huber: Bern 2011, 12. Aufl.