Als hätten wir es geahnt. Vor kurzem haben wir die Krisen-Serie auf dem xm-institute Blog gestartet. Da war Corona noch nicht existent und auch sonst keine Krise weit und breit in Sicht. Doch nun scheint sie für immer mehr Unternehmen aber auch Privatpersonen am Horizont sichtbar oder bereits schon da. Jeder von uns erlebt nun die Einschränkungen, die wir im gesellschaftlichen Leben bereits in Kauf nehmen müssen. Und wenn man den Experten Glauben schenken mag, stehen wir eher noch am Anfang.

Ich persönlich bin erst seit 4 Tagen wieder von einer beruflichen Reise aus Kanada zurück. Und nun? Ausnahmezustand. Wie sich die Zukunft entwickelt und was wir daraus mitnehmen werden, bleibt ungewiss. Zukunft ist immer ungewiss. Und was mit unseren VUCA Konzepten wie abstrakt klang und für viele nicht nahe genug war, ist nun individuell in vielen Lebensbereichen spürbar. Prognosen sind kaum qualifiziert machbar und die Narrative werden sich wie so häufig erst durch den Blick in der Zukunft zurück auf die Krise ergeben.

Doch während einer Krise geht es immer darum, handlungsfähig zu bleiben und sich tagtäglich neu auf die sich stündlich ändernde Situation einzustellen. Angstzustände und Stress helfen hier nicht weiter. Es geht darum, aus der persönlichen Angst- und Stresszone herauszutreten und lösungs- und zukunftsorientiert voranzuschreiten. Auch wenn dies oft leichter gesagt, als getan ist.

Im Business und privat gezielt handlungsfähig bleiben – Panik vermeiden, auch wenns hart ist

So erlebe ich auch gerade ganz unterschiedliche Reaktionen meiner Klienten: Verschiedenste Kunden stornieren ihre geplanten Leadership Developments oder Workshops auf unbestimmte Zeit, sind nicht mehr erreichbar. Mittelständler in den Branchen, die es bereits jetzt am schlimmsten trifft (Gastronomie, Handel) bangen um ihre Unternehmensexistenz oder verfallen in Panik. Andere Kunden jedoch nutzen die Chance und packen trotz der Krise besonnen an. Sie stärken ihre Mitarbeiter systematisch in dieser Zeit. Sind flexibel, wenn es um neue Wege geht und nehmen unsere Ideen, viele Workshops einmal remote auszuprobieren, dankend an. Sie nutzen sogar die Zeit, vermehrt die Home-Office Aktivitäten  ihrer Mitarbeiter um sinnvolle Online-Workshops und Online-Coaching zu ergänzen.

Shutdown und Ausgangssperre – Turboboost für das Digitale Arbeiten

Man könnte sagen, dass die Digitale Transformation, die in Europa bisher sehr schleppend voranging, nun im Sinne des Digital Work oder New Work Gedankens zwangsweise einen Turbo-Boost erlebt. Für den Einzelnen bedeutet dies (sofern man hoffentlich gesund bleibt und nicht mit dem Virus zu kämpfen hat), sich entweder mit neuen Medien und Arbeitsmethoden anzufreunden, oder nach der Krise abgehängt worden zu sein. So sah ich gestern eine Informatik-Lehrerin im TV im Interview, die freudig berichtet hat, dass nun auch der Großteil der Belegschaft, die sich bisher konsequent dem Digitalen Lernen verweigert hat, vielleicht durch die Schulschließungen nun gezwungen sind, sich mit Online-Lernportalen, Webinaren oder Video-Konferenzen näher zu beschäftigen. Ein Hochschulprofessor berichtete mir, dass 90% seiner Kollegen nicht in der Lage sind, eine Vorlesung online zu halten, während er sich inzwischen in 2 Tagen ein komplettes Studio fürs Online-Streaming zu Hause aufgebaut hat. Es muss m.E. für jeden Einzelnen nun darum gehen, die Zeit, die wir nun zwangsweise haben, nicht mit feiern oder Langeweile zu verbringen, sondern gezielt Neues zu lernen um gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Doch in der Krise werden aktuell auch viele digitale Versäumnisse der Vergangenheit auf gesellschaftlicher Ebene deutlich. Regierungen diskutieren mit Netflix über Bandbreiten-Beschränkungen, um die Netze nicht zu überlasten. Führungskräfte beknien ihre Mitarbeiter, den privaten Laptop zu Hause zur Heimarbeit zu nutzen, da sie in der Firma nur in Stand-PC’s ohne Videokameras und Soundkarten investiert haben und so der private Laptop deutlich leistungsfähiger ist.

Einige Handlungsfelder für Unternehmer und Entscheider

Doch die Digitalisierung ist nur ein Feld, in dem, wenn Unternehmer*innen und Entscheider*innen jetzt in der Krise schnell und klug  handeln, nicht nur das Überleben des Unternehmens sichern, sondern es vielleicht sogar gestärkt aus der Krise hervortreten lassen. Im Folgenden ein paar erste Ideen, was in solchen Zeiten denkbar ist. Wir werden die Liste und Ideen sicherlich im Rahmen unserer Serie fortsetzen. Sollten sie bestimmten Themen, Fragen oder Interessen haben, würden wir uns wie immer über eine Nachricht freuen:

Vermehrtes Experimentieren mit neuen Remote-Formaten in Workshops, Leadership-Development und Coachings

Als das interne Papier-Memo von der eMail abgelöst wurde, verwendete man das Medium Computer und Datenübertragung wie bisher. Nur dass man den Text nicht mehr auszudrucken brauchte und dass er sofort beim Empfänger war. Mit der digitalen Telefonie wurde bereits vor Jahrzehnten eine Telefonkonferenz möglich und so nutzen viele Unternehmen heute noch diese als Standard für Remote Meetings. Skype wird als Videoconferencing Software teils noch sehr zögerlich eingesetzt. Dabei gibts doch bereits zahlreiche andere Tools und Methoden, um auch von den entferntesten Plätzen aus gut zusammenzuarbeiten. Diese lassen sich wunderbar für die Qualifizierung von Mitarbeitern und Führungskräften einsetzen, ohne in ein Hotel fahren zu müssen und gemeinsam in einem Seminarraum zu sitzen. Bequem von zu Hause gemeinsam mit anderen zu Arbeiten und zu Lernen, entweder gleichzeitig (Webinar, Videokonferenz) oder zeitlich entkoppelt (Lernplattform und Online-Diskussionsforen) könnte nun anstatt undenkbare Utopie schnell zum neuen Standard werden. Ich habe seit mehr als 20 Jahren Erfahrung im Online-Teaching, habe an der Pionier-Universität für Online-MBA Programme in Kanada den „Teaching Award“ gewonnen und setze seit Jahren digitale Medien für Lernen, Workshops, Arbeiten und Kommunikation selbst ein und helfe Unternehmen dabei, schnell und unkompliziert diese Methoden nutzbringend einzusetzen. Ich kann nur motivieren, dies auszuprobieren. Es lohnt sich! Meine Erfahrung mit dem berufsbegleitenden Online-MBA Studenten ist, dass sie nach dem Abschluss eines Online-Programms immer wieder gerne bevorzugt auf dieses Medium zurückgreifen wollen. Und sollten Sie wenig Erfahrung mit diesem Thema haben, empfehle ich unbedingt einen Partner zu wählen, der die verschiedene Aspekte des Themas gut verbindet und viel Erfahrung hat: Offline-Didaktik, Online-Didaktik (Ja, die ist anders!), Technikaffinität und -expertise, Methodenkenntnis, echte Praxis-Erfahrung und Pragmatismus in der Umsetzung. Gerne sprechen sie mich hierzu an.(mailto:oliver@xm-institute.com) Vielleicht kann ich weiterhelfen oder einen Experten aus meinem internationalen Netzwerk empfehlen. Das Experimentieren lohnt sich: Sie werden sehen, wie schnell Mitarbeiter mit den neuen Methoden vertraut werden und diese zu schätzen wissen.
Gute Tools für Video Conferencing sind m.E. vor allem:

Einführung und Nutzung von Online-Lernplattformen

Für die Qualifizierung und das Leadership Development haben einige Unternehmen in den letzten Monaten oder wenige in den letzten Jahren damit begonnen, Online-Lernplattformen gezielt in die Programme und das LD Portfolio zu integrieren. Dabei ist die Entscheidung grundsätzlich in zwei Richtungen zu lenken. Eine Möglichkeit ist die Nutzung von Plattformen mit vorgefertigten Inhalten. Hier können Individuen oder gesamte Organisationen auf eine Vielzahl von Lernangeboten zugreifen und als Online-Kurse absolvieren. Aufgrund der Offenheit und Masse an Teilnehmern findet hier wenig persönliche Interaktion statt und die Inhalte sich kaum auf das einzelne Unternehmen zugeschnitten. Nützlich ist diese Art von Angebot vor allem für Standardthemen. Gute Startpunkte zum Selbststudium online im Netz sind z.B.:

Eine zweite Möglichkeit stellt die Bereitstellung und der Betrieb einer eigenen Lernplattform dar. Hierfür gibt es zahlreiche Anbieter und es muss nicht immer die teuerste Plattform sein. Die wichtigsten Entscheidungskriterien sind hierbei vor allem die Frage nach der Technologie, nach dem richtigen Content und nach dem Grad der Anpassung an das eigene Unternehmen. So lassen sich schnelle Lösungen zu kleinen Budgets umsetzen, wenn man den Fokus auf Geschwindigkeit setzt und nicht den goldbeschlagenen Rolls-Royce in einem 3-Jahrespitch sucht. Herausforderung bei einer eigenen Plattform ist hier weniger der technische Betrieb, als vielmehr die Inhalte. Zahlreiche Organisationen produzieren noch immer für ihre Plattformen eigene Inhalte für teures Geld. Doch gibt es im Netz bereits viel Lernmaterial „for free“ oder zu kleinem Preis auf Youtube und Co. Es geht häufig weniger darum, neuen Content zu erstellen, als vielmehr aus der Flut der verfügbaren Informationen die richtigen zu kuratieren. Auch hier können wir vom xm-institute mit unserer Schnittstolen-Expertise zwischen Wissenschaft und Praxis vielleicht nützliche Beiträge leisten. Sei es mit Hinweisen, Beratungen bis hin zur zeitweisen Nutzung unserer eigenen xm-labs Online-Lernplattform.

Selbstmanagement & Online-Coaching

In Krisenzeiten wie diesen ist es wichtig, selbst handlungsfähig und positiv zu bleiben. Besonders als Führungskraft mit Vorbildfunktion wirkt sich die eigene Stabilität und Sicherheit wie ein Multiplikator auch auf ihre Mitarbeiter aus. Ich möchte hier nur kurz zwei Aspekte herausgreifen. Um gestärkt in den Tag zu gehen hilft vielen der Sport. Was noch vielfach weniger genutzt wird, ist die Meditation als mentale Übung. Aus eigener Erfahrung kann ich eine oder zwei 25 Minuten Sitzungen am Morgen, direkt nach dem Aufstehen nur empfehlen. Auch wenn es scheint, dass man diese Zeit in der Krise nicht hat, werden sie spüren, wie sie über den Tag hinweg deutlich mehr Power und Energie haben, so dass sich diese halbe bis ganze Stunde auch wirtschaftlich rechnet. Auch ist es hilfreich, andere Selbstführungs- und Selbstmanagement-Techniken in diesen Zeiten parat zu haben. Sollte dies nicht der Fall sein, können kurze Webinar-Impulse für die „Heimarbeiter“ Wunder wirken und nur 1/2 Stunde am Tag kann einen Unterschied machen. Für Fälle, die  konkrete Unterstützung und Ansprache benötigen, bietet sich ein Online-Coaching an. Dies kann entweder per Telefon oder besser über Skype oder Zoom erfolgen. Unternehmen, die keine Video-Conferencing Lösung haben, können auch über das Mobiltelefon leicht ein Video-Coaching nutzen. Gerne unterstützen wir hierbei mit Kontakten zu erfahrenen Coaches.

Lösungsfokussiertes Führen und Arbeiten

In Zeiten der Krise ist es wichtig, trotz der häufig unsicheren und schwierigen Lage, die Zuversicht nicht zu verlieren. Wenn sich die Probleme häufen, ist ein reiner Problemfokus oft wenig nützlich. Es geht vielmehr darum, schnell selbst in ein Lösungsdenken zu kommen oder seine Mitarbeiter dorthin zu führen. Wir wissen aus der Hirnforschung, dass Problemdenken sich eher noch negativer auf die Stimmung auswirkt und gerade für die kreative Lösungsfindung wenig hilfreich ist. Spezielle Frage- und Handlungstechniken, die leicht erlernbar sind, auch online in einem halben bis einem Tag, können helfen. Wir nutzen hier den Hintergrund der SFT ebenso, wie Ideen aus der Hypo-Therapie oder Schemata des SySt(r) Instituts und haben praktische Tools für den Alltag und einen Online-Tagesworkshop für Führungskräfte und Teams entwickelt, der in die Lösungsfokussierung einführt. Wir arbeiten bereits seit Jahren in Organisationen live mit diesen Ansätzen und sehen hier gerade in Krisenzeiten ein noch höheres Potenzial für Führungskräfte.
Ergänzend oder zum Einstieg ein schöner Buchtipp hierzu auch:
Cauffman, L. (2007). Lösungstango: sieben verführerische Schritte zum erfolgreichen Management. Carl-Auer-Verlag.

Es gäbe sicherlich noch weit mehr Felder, die Chancen für die Mitarbeiterentwicklung in der Krise bieten. Wir werden auch das eine oder andere wie bereits erwähnt noch in weiteren Blog-Beiträgen beleuchten. Wichtig ist es aus meiner Sicht, schnell und konsequent auch als Unternehmer in einer Krise zu handeln. In der bisherigen Corona-Krise haben wir gesehen, dass zu langes Abwarten bei einer exponentiellen Veränderung der Situation auf gesellschaftlicher Ebene nicht nützlich ist. Daher denke ich, dass es in Organisationen nicht nur bei einem reinem reaktivem Krisenmanagement bleiben sollte oder business-as-usual ausgerufen werden sollte, sondern vielmehr dort, wo es möglich und machbar ist, mit pro-aktiver Vorsorge gehandelt werden.

Stammleser meines Blogs werden nun ein wenig ob der häufigen Erwähnung unserer Services des xm-institutes verwundert sein. So kennen und schätzen sie doch die rein inhaltlich-sachlichen Fachartikel unsere Blogs. Auch wenn es für uns hier am xm-institute in den kommenden Wochen sicherlich auch nicht leicht wird, ging es für mich hier weniger um ein Advertorial, als vielmehr um das Angebot, gerade die langjährige Expertise, die wir haben und unsere Stamm-Klienten sehr schätzen, auch anderen Menschen und Organisationen näher zu bringen und so die Möglichkeit zu geben, mit uns vielleicht auch zum ersten Mal in Kontakt zu kommen. Wir freuen uns jedenfalls über Fragen, Hinweise und Zuschriften. Sie erreichen mich persönlich unter: oliver@xm-institute.com

In den kommenden Tagen werden wir versuchen, die eine oder andere Initiative für interessierte Führungskräfte im Home Office oder Unternehmen zu starten. Wir halten Sie weiter auf dem Laufenden.

Alles Gute, geben Sie auf sich Acht, bleiben Sie gesund und bis bald,

Ihr Oliver Mack