Heute besprechen wir ein Buch einer Autorin, die im Bereich Agilität und moderne Führung keine Unbekannte ist. Stefanie Puckett hat bereits zwei Bücher beim Business Village Verlag zu diesem Thema veröffentlicht.

Stefanie Puckett Moderne Führung und Selbstorganisation - Rezension - xm-institute - Dr. Oliver MackEs geht um ihr neues Buch, das soeben bei Haufe erschienen ist und den Untertitel “Mit psychologischem Wissen Zukunftskompetenzen entwickeln” trägt. Das Buch kommt als Paperback im A5 Format und umfasst rund 260 Seiten. Ergänzend bietet Haufe “digitale Extras zum Buch”, wie Checklisten etc., die über einen Code auf der Website abgerufen werden können (Anmerkung: Leider standen diese zum Zeitpunkt der Rezension (27.09.21) noch nicht zur Verfügung, so dass diese auch nicht besprochen werden können.)

Das Buch gliedert sich in 15 Kapitel, wobei das Erste und Letzte eher als Einleitung und Ausblick zu verstehen sind. 

Nach der Einführung gehts gleich zur Sache – in Kapitel 2 dreht sich alles um “(Selbst-)Entwicklung für Die Zukunft”. Es handelt vorrangig von den Themen Persönlichkeit, Persönlichkeits- und Stärkenprofil. Wie auch in den noch zu erläuternden Folgekapiteln zeigt die Autorin bereits hier ihren Hintergrund als promovierte Psychologin und liefert umfangreiches Hintergrundwissen und Theorie, die sie allerdings immer nur als Hintergrundmusik der pragmatisch und anwendungsorientiert aufgebauten Kapitel nutzt. In diesem Kapitel ist der Theoriehintergund die “Big Five” der Persönlichkeitspsychologie, anhand derer sie die Möglichkeiten zur Beschreibung von unterschiedlichsten Persönlichkeiten darstellt. Dabei legt sie Wert auf eine stärkeorientierte statt einer defizitorientierten Sichtweise.

Kapitel 3 beschäftigt sich mit dem Thema “Veränderungsnotwendigkeit und Signale aus dem Umfeld erkennen”. Wie der Titel aussagt, handelt es sich um die Frage, wie wir Signale aus unserem Umfeld wahrnehmen und diese nutzen können, um uns selbst weiterzuentwickeln. Auch geht es um die Frage, warum wir trotz vorhandener Stärken scheitern können und einen Selbsttest zur Einschätzung der Risikofaktoren hierzu.

In Kapitel 4 geht es um die Kompetenz der Selbstreflexion. Dabei wird die Bedeutung des Blicks von Außen auf einen selbst, sowie die Arbeit an Selbstzweifeln angegangen. Puckett beschreibt den Umgang mit Versagensängsten wie auch Ideen zur Überwindung des Imposter-Syndroms.

Die Komfortzone zu verlassen, hierum geht es dann in Kapitel 5. Dabei setzt die Autorin Schwerpunkte bei der Überwindung von Automatismen und Fluchtimpulsen, und klärt, warum das Setzen großer Ziele und gleichzeitig kleiner Schritte nützlich ist.

Im Kapitel 6 gehts dann noch darum, sich an der einen oder anderen Stelle selbst zu überlisten und sicherzustellen, dass man sich bei der Zielerreichung nicht selber im Weg steht. Self-Handicapping und Self-fulfilling prophecy sind zwei psychologische Phänomene, die hier ihren hemmenden Beitrag leisten. Um diese zu überwinden setzt die Autorin auf die Macht der Sprache sowie ein “Growth Mindset”.

Im Kapitel 7 gehts um das Priorisieren und fokussieren. Neben der Balancieren der eigenen Lebensbereiche gehts dabei vor allem auch darum, auszumisten und Ballast abzuwerfen; aber auch um ganz praktische Tipps, wie man bei der Arbeit gut priorisiert. Neben der bekannten Eisenhower-Matrix, die aus meiner Sicht so ihre Tücken hat, schlägt die Autorin auch Ansätze anderer Produktivitätsexperten wie die “Daily Big 3” oder das “Bei-Sagen” vor.

Kapitel 8 widmet sich dem Thema Flexibilität. Diese ist von uns zunehmend in allen Lebenslagen gefordert. Als Grundlage zu mehr Flexibilität sieht Puckett das Thema “Achtsamkeit”, beschreibt aber auch vier Aspekte, warum Flexibilität auch ihre Grenzen braucht.

Während die bisherigen Kapitel vorrangig für alle Mitarbeiter bzw. Menschen von Bedeutung war, gehts nun in Kapitel 9 unter dem Titel “Führung und Selbstführung” stärker um Führungskräfte. Ein erstes Thema, das uns hier am xm-institute auch son immer sehr am Herzen lag, ist das Verständnis, dadd Führungskräfte, um andere führen zu können zunächst eine Selbstklarheit und damit einen Art festen Stand brauchen, gerade dann, wenn in selbstorganisierten oder zunehmend weniger hierarchisch strukturierten Organisationen die Bedeutung von Positionsmacht abnimmt. Um die eigene Werteklarheit und die eigene Sinnstiftung gehts in diesem Kapitel.

Kapitel 10 thematisiert das Thema Selbstführung und Selbstoganisation und kommt dabei auch nicht um eine zusammenfassende Beschreibung der obligatorischen SCRUM Methodik herum. 

Das elfte Kapitel fokussiert im Anschluss auf das Thema Team. Herausforderungen psychologischer Natur, wie auch das gute alte Belbin Teamrollen-Modell duften hier nicht fehlen. Schön finde ich in diesem Kapitel die Zusammenstellung der psychologischen Stolperfallen der Teamarbeit, wie der Trittbrettfahrer Effekt, die Verantwortungsdiffusion, die Konvergenz-Tendenz, das Groupthink Phänomen oder das “Not-invented-here” Syndrom. Auch wurde das Thema Feedback geben und nehmen in dieses Kapitel gepackt.

Kapitel 12 dreht sich um Musterbrecher und Organisationsrebellen. Ein Thema, das wir bereits in einem anderen Beitrag umfassend beschrieben haben (Buchrezension: Graswurzelinitiativen). Interessant finde ich, warum im Text und Literaturverzeichnis nicht zumindest auf dieses Werk referenziert wurde.

Im Kapitel 13 gehts um Goleman’s emotionale und soziale Intelligenz. Zunächst gehts um Arbeitsbeziehungen generell. Diese werden pragmatisch durch eine Kategorisierung von Kolleg*innen in 5 Arbeitstypen umgesetzt um so erste Türöffner und Türschließer für die Zusammenarbeit zu erkennen. Es folgen Gedanken zum Thema Zuhören, Mitfühlen und emphatisch handeln. In einem zweiten Teil folgen Tipps zum Thema Konflikte, in einem dritten Teil Tipps zum Thema Netzwerke und Social media.

Fazit: Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Inhaltlich Neues gibt es wenig, aber dafür Bekanntes gut aufbereitet, sorgsam ausgewählt und mit vielen praktischen Gedanken, Tools und Tipps unterfüttert. Ob die in diesem Buch dargestellten Aspekte tatsächlich alle oder die wichtigsten Zukunftskompetenzen sind, oder nicht schon immer wichtige Führungskompetenzen waren – dies zu beurteilen bleibt jedem selbst überlassen. Auch der Titel scheint mir ein wenig irreführend. Ich hätte ihn eher traditionell als „Grundwissen (Selbst-)Management und Teamorganisation“ umschrieben. Wer sich neu oder aufs Neue mit den dargestellten Inhalten beschäftigt und praktischen Nutzen sucht, dem sei das Buch empfohlen. Die hoffentlich bald verfügbaren Online-Extras sollten den Nutzen weiter steigern.

Puckett, Stefanie (2021). Moderne Führung und Selbstorganisation. Haufe: Freiburg. 2021.

Anmerkung zur Transparenz: Das Buch wurde dem Autor dieses Artikels vom Verlag kostenlos zur Rezension zur Verfügung gestellt. Die Meinung des Autors ist hiervon jedoch nicht beeinflusst.