Erpenbeck Sauter Future Learning New Work Rezension Oliver Mack xm-instituteIm Buch, um das es heute geht, dreht sich alles um (betriebliches) Lernen. Das Werk ist gute 575 Seiten stark und bei Haufe erschienen. Geschrieben wurde es von zwei Professoren und Beratern, die sich schon lange mit dem Thema Kompetenzmanagement und Lernen beschäftigen, mit ihrem KODE(r) Verfahren im Beratermarkt unterwegs sind und die Themen Werte- und Kompetenzmanagement über viele Jahre hinweg mit wissenschaftlicher Forschung untersuchen.

Das Buch ist als Praxisbuch zu verstehen, in dem die Autoren ein integriertes Konzept der Werte- und Kompetenzentwicklung auf allen Ebenen einer Organisation vorstellen. Sie sehen “New Work” untrennbar mit dieser verbunden.

Steigen wir im Detail in die Struktur und Inhalte ein: Das Buch ist in zwölf Kapitel gegliedert:

Die ersten drei Kapitel Beschäftigen sich mit näher mit dem aktuellen Kontext. Zunächst geht es in den ersten beiden Kapiteln um aktuelle Trends und den Begriff des “New Work”, in dem auch die Themen Agilität, Digitale Zusammenarbeit und Digital Workspace detailliert auf 60 Seiten abgehandelt werden. Kapitel 3 beschreibt dann auf weiteren 85 Seiten umfassend das Verständnis der Autoren zum Kernthema “Future Learning – selbstorganisierte Werte- und Kompetenzentwicklung”. Zwei Aspekte, die ich voll unterstreichen kann, sind dabei folgende:

  • Um tatsächlich ins Handeln zu kommen, reicht es nicht, nur Fähigkeiten oder Kompetenzen aufzubauen. Es geht parallel immer auch um die Entwicklung von Werten, da diese einen entscheidenen Beitrag leisten, um Denken in Handeln umzusetzen. 
  • Betriebliches Lernen verändert sich heute immer mehr von einem Vorratslernen in ein Lernen, das eng mit der tatsächlichen Arbeit verbunden ist. Es braucht hierzu andere Formate, als das frontale Classroom Training.

Beide Aspekte unterstützen wir am xm-institute seit Jahren, stecken aber noch immer in den Kinderschuhen, dies auch auf breiter Basis in Organisationen implementieren zu können. Häufig fehlt noch die Offenheit, auch Neue Formen des Lernens zu probieren, auch wenn COVID und die hiermit verbundene Virtualisierung sicherlich einen wichtigen Beitrag in die richtige Richtung leisten konnte.  Auch werden unterschiedliche moderne Didaktik-Konzepte besprochen, die auf diese Integration einzahlen. Daran schließen praktische Gedanken zu Lernplattformen und digitalen Lernwerkzeugen an, bevor es um Formen des eLearnings, Qualifizierung- und Entwicklungsarrangements, Social Workplace Learning und KOPING geht. Bereits dieses “Grundlagen”-Kapitel ist sehr wertvoll und nützlich.

Kapitel 4 und 5 schaffen dann die Grundlage, auf der aus Sicht von Erpenbeck/ Sauter ein Future Learning möglich ist. Es geht um Werte- und Kompetenzmodelle und vor allem um die Beschreibung und Erfassung von Werten und Kompetenzen. Hierzu stellen sie die von ihnen entwickelten und auch im Beratungskontext angebotenen Werte- und Kompetenzmodelle vor und beschreiben, wie sich diese auf Organisations-, Team- und Individualebene anwenden lassen. 

Im Kapitel 6 gehts dann um ein gezieltes Werte- und Kompetenzmanagement auf den drei Ebenen Organisation, Team und Individuum, das sie mit zahlreichen Praxisbeispielen aus verschiedensten Bereichen anreichern. 

Kapitel 7 beschreibt dann das “Geschäftsmodell des Future Learning”. Dabei wird die klassische Personalentwicklung, wie wir sie noch immer heute in der Praxis kennen, in Frage gestellt, und ein neues Rollenmodell und eine neue Form der Personalentwicklung für Organisationen vorgestellt. Kapitel 8 beschreibt Ansatzpunkte und den nötigen Veränderungsprozess hin in diese Richtung. 

In einem Ausblickskapitel (9) gehen die Autoren knapp auf verschiedene aktuelle Trends, wie New Work, Agilität oder Digitale Transformation ein und beleuchten ihren Konnex zum Werte- und Kompetenzmanagement.

Kapitel 10 ist als “Toolbox” verfasst und fasst auf rund 30 Seien verschiedenste Methoden zur Werte- und Kompetenzentwicklung zusammen, wie Agile Methoden, Job Rotation, Working out loud, Supervision oder etwa Coaching und Mentoring. Es liefert viele Anregungen wie die Theorie in die Praxis umgesetzt werden könnte.

Die letzten beiden Kapitel 11 und 12 beinhalten schließlich “Entwicklungsempfehlungen” für Einzelwerte und Einzelkompetenzen und liefern so Ideen, wie Entwicklungsziele für diese definiert und Entwicklungsprozesse gestaltet werden könnten. Ein umfangreiches Literatur- und Stichwortverzeichnis runden das Buch ab. Ebenso sind auf der Haufe-Website „Digitale Extras“ verfügbar. Dies sind vor allem Checklisten und Papers wie auch Videoclips zum Youtube Kanal des ValCom(r) Institut.

Fazit: Wie bereits angedeutet, hat mir das Buch sehr gut gefallen, da mir die Grundprämissen – Kombination von Werte- und Kompetenzentwicklung sowie engere Verknüpfung des Lernens mit der tatsächlichen Tätigkeit aus dem Herzen sprechen. Das Buch bietet hierzu umfangreiche Ideen und eine systematische Sammlung an Tools und Konzepten, wie man dies zum Leben erwecken könnte. Man spürt im Buch die Jahrzehntelange Beschäftigung der Autoren mit diesem Thema. Es ist fundiert, strukturiert und sehr gut lesbar. Auch helfen zahlreiche Wiederholungen und Zusammenfassungen im positiven Sinne, das Buch auch nur partiell lesen zu können, ohne sich von Anfang bis Ende durchzuarbeiten. So bietet es auch für Praktiker einen guten Nutzen. Das Buch sei vor allem Experten aus dem Bereich Mitarbeiter- und Führungskräfteentwicklung empfohlen.

Erpenbeck, John/ Sauter, Werner. (2021). Future Learning und New Work. Haufe: Freiburg. 2021.

 

Anmerkung zur Transparenz: Das Buch wurde dem Autor dieses Artikels vom Verlag kostenlos zur Rezension zur Verfügung gestellt. Die Meinung des Autors ist hiervon jedoch nicht beeinflusst.