11 Tipps, wie du Design Thinking in dein Unternehmen einbringen kannst

11 mehr oder weniger konkrete Tipps, wie du Design Thinking in deinUnternehmen einbringen kannst (& wo es sinnvoll ist)

von unserem Gastblogger Wilhelm Rinke, Berliner Ideenlabor

Die Innovations- und Kreativmethode Design Thinking ist und bleibt natürlich der ultimative Weg zur Erleuchtung. Deshalb sind hier nun endlich 11 mehr oder weniger konkrete Tipps, wie du Design Thinking in dein Unternehmen einbringen kannst & wo es sinnvoll ist.

Als kleine Erinnerung, Design Thinking ist eine Innovations- und Kreativmethode für die menschenzentrierte Gestaltung von Produkten, Services und Strategien – und gleichzeitig mehr als nur das. Design Thinking ist eine Geisteshaltung voller Offenheit, Experimentierfreude und Neugier. Design Thinking kann eine Kultur werden, die Teamarbeit fokussiert und Veränderung auf allen Ebenen mit enormer Geschwindigkeit vorantreibt.

Die elementare Formel des Design Thinking lautet Mensch x Raum x Prozess, wobei sich der iterative Prozess aus den Schritten Understand, Observe, Define, Ideate, Prototype und Test zusammen setzt (Abbildung 1: Prozess).

Abbildung 1

Egal ob man Design Thinking als Methode oder Geisteshaltung sieht, die folgenden Tipps orientieren sich entlang des Prozesses und stellen gleichermaßen die Arbeitskultur dar:

  1. Ja und …
    Heute ist der Tag, an dem nur »Ja und …« gesagt werden darf. Das soll nicht heißen, dass ihr mit allem einverstanden seid, sondern hilft konstruktiv auf den Ideen anderer aufzubauen und Kritik hinten anzustellen. Morgen kann wieder jeder Satz mit »Nein, aber…« begonnen werden – das Experiment macht sicherlich klar, welcher Tag euch besser gefallen hat.
  2. Macht ein Team-Check-In.
    Startet den Tag mit einem Team-Check-In. Oder noch besser, startet jeden Tag mit diesem Team-Check-In:
    Beantwortet in einem Satz »Was fühlst du und warum kannst du heute nicht 100% bei der Sache sein?«. Das dient der schnellen Synchronisation und ist nur ehrlich dem Team gegenüber. Wir nennen die Methode Helicopter-Check-In, da sie angeblich von Piloten stammt, die, basierend auf der Antwort, entscheiden ob sie miteinander fliegen oder nicht. Vermutlich ist das nur eine Legende, aber die Geschichte ist trotzdem schön.
  3. Design Thinking ist eine Interpretation der Beuys’schen Sozialen Plastik.
    Alle schöpferischen Handlungen haben einen Einfluss auf die Gesellschaft. Habt das im Hinterkopf, auch wenn euer Startup Radiergummi24 heißt. In diesem Sinne ist es absolut notwendig den Nutzer in den Mittelpunkt aller Interessen zu stellen und verschiedene Perspektiven der Gesellschaft einzunehmen.
  4. Kauft euch Stifte.
    Der Tipp ist nun wieder weniger abstrakt, aber ernst gemeint. Auch wenn ihr digital arbeiten müsst, ein nebenbei notiertes Post-It kann der Anker für eine gesamte Iteration sein. Was nicht notiert ist, ist meistens verloren.
  5. Jetzt wo ihr schon Stifte habt …
    … arbeitet visuell. Auf jedes Post-It gehört eine Zeichnung. Macht es einfach. Was es auch immer ist, es muss kein Meisterwerk sein. Apropos Meisterwerk: googelt doch mal wie Beuys einen Hirsch zeichnete, das macht Mut.
  6. Kauft eine Uhr.
    Bis 23 Uhr super busy zu sein ist natürlich cool, aber in kurzen Zeitintervallen das gleiche zu schaffen irgendwie noch besser.
    Macht lieber drei verschiedene Brainstorm-Runden à 5 Minuten, als eine von 45 Minuten. Die erste Brainstorming-Runde darf auch gerne einen destruktiven Charakter haben. Ein Anti-Brainstorm ist eine schöne Möglichkeit zu sehen, was jeder eigentlich ungeil findet, letztlich aber doch diskutiert wird.
  7. Raus aus der eigenen Suppe.
    Nehmt euch zwei Stunden frei und trefft Freunde, Familie, Unbekannte. Interviewt sie zu eurem aktuellen Zwischenstand am Projekt. Design Thinking ist eine menschzentrierte Innovationsmethode. Bevor ihr zu schnell in Lösungen denkt, hilft es oft das Problem erst mal zu verstehen. Und zwar nicht aus der eigenen Perspektive, sondern der von anderen, von möglichen Nutzern. Fragt in Interviews »Warum« bis es peinlich wird, bis ihr auf Geschichten stoßt, die euch überraschen.
  8. Ihr solltet euren Standpunkt mit Knete darstellen können.
    Schnelle, einfache und günstige Prototypen helfen dabei, Probleme zu verstehen und konkrete Lösungen zu finden: Denn was in der Theorie gut funktioniert, kann in der Praxis schnell scheitern. Selbst wenn ihr digital arbeitet, solltet ihr einen Gedanken zum schnellen Austausch analog visualisieren können.
  9. Testet heute.
    Egal wo euer Produkt, Service, eure Idee steht, oder wie viel Arbeit eigentlich noch nötig wäre: testet heute. Testet im Team, verlasst die überstrapazierte Komfortzone. Macht es unkompliziert, sucht euch potentielle Nutzer von der Straße. Habt einen einfach Prototypen, der so selbsterklärend wie möglich ist. Macht euch klar, was die kritische Funktion ist, damit euer Prototyp funktioniert. Es geht um ehrliches Feedback, nicht darum eine Idee an jemanden zu verkaufen, der sie vielleicht gar nicht möchte. Was nicht gut geklappt hat kann geändert, oder neue Aspekte können schnell implementiert werden (Abbildung 2: Testen).

    Abbildung 2
  10. Iteriert und vertraut Kanye West.
    Ob es von ihm stammt oder nicht, ab jetzt sollte das euer Design Thinking Mantra sein.
    »Ich möchte wie ein 3-jähriger sein können. Wenn man drei ist, wacht man auf und sagt: ›Heute möchte ich Fahrrad fahren‹ und am nächsten Morgen sagt man: ›Heute will ich malen.‹ Ich möchte nicht, weil ich gestern gut Fahrrad gefahren bin, für den Rest meines Lebens Fahrrad fahren müssen.« 

Diese mehr oder weniger konkreten Tipps sind ein Anfang, werden aber dem Design Thinking Prozess aus Empathie aufbauen, Probleme definieren, Möglichkeiten schaffen und schnelle Prototypen testen natürlich nicht gerecht. Selbst der Zeitaufwand kann im Design Thinking sehr unterschiedlich sein (Abbildung 3: Formate). Zwischen kurzen eintägigen Sprints und mehrmonatigen Schleifen sind viele Variationen möglich.

 

Abbildung 3: Formate

So ist auch Tipp 11 zu verstehen: In jedem Fall hilft es einen Begleiter dabei zu haben, der einerseits weiß was passieren kann und andererseits weiß was passieren muss. Bestimmt jemanden aus eurem Team, der die methodische Übersicht behält und inhaltlich neutral bleibt.


Veranstaltungstipp:

Business Tool Labs: “Foresight im Design Thinking”, Wien 

Zusammen mit dem Ideenlabor Berlin bieten wir in 2018 auch Workshops zum Thema Weiterentwicklung und aktuelle Themen des Design Thinkings an. Detail finden sich bei den xm:labs: hier!

2018-02-20T10:18:10+00:00

About the Author:

Wilhelm Rinke
Wilhelm Rinke ist Head of Design Thinking der Kreativ- und Innovationsberatung Berliner Ideenlabor mit Sitz in Berlin. Als Lehrbeauftragter für »Kreativität, Innovation & Unternehmergeist« doziert er an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und ist mitverantwortlich für das Gründungsprogramm »HTW Start-Up Lab«. Als studierter Biologe (M.Sc.), Fotograf (Ostkreuzschule für Fotografie) und zertifizierter Design Thinker (HPI DSchool) hat er langjährige Erfahrung in diversen Kreativ- und Innovationsprozessen. In Kooperation mit Organisationen aus Wirtschaft und Forschung befähigt er heute Menschen, ihr kreatives Selbstvertrauen zu entfalten.

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