Die AutorInnen und das Buch

New Leadership - Bornmann - Rezension - xm-institute - Dr. Oliver Mack Das Buch trägt den Untertitel “Menschen inspirieren, entwickeln und zum Erfolg führen” und beschäftigt sich so mit einem unserer Kernthemen: Leadership. Die Autorin, Laura Bornmann absolvierte nach dem Abitur 2010 ein duales Studium im wirtschaftlichen Bereich und startete ihre Karriere bei REWE, zunächst als Assistentin des Vorstandsvorsitzenden, übernahm dann die Leitung der Personalentwicklung und trieb einen umfassenden Kulturwandel im Unternehmen voran. Nach einer Tätigkeit als Geschäftsführerin des Startup Teens und GenTalents, ist sie heute als selbstständige Beraterin und Coach, Keynote Speaker, Podcast-Host sowie Hochschul- und Beirätin tätig. Das Buch selbst umfasst gut 220 Seiten und ist im März 2026 im Campus Verlag erschienen.

Laura Bornmann erzählt im Buch ihre persönliche Geschichte: vom Glaubenssatz “Du bist zu nett für Karriere” zur Leiterin der Personalentwicklung bei REWE mit Verantwortung für 18.000 Mitarbeitende und zieht daraus ein Führungsmodell, das Empathie, Verletzlichkeit und Menschenorientierung nicht als Schwäche, sondern als Grundlage für Spitzenleistung versteht. Das ist die zentrale These des Buches: Die alte Formel “Ansage + Kontrolle = Ergebnis” ist überholt; nachhaltiger Erfolg entsteht durch Vertrauen, psychologische Sicherheit und authentische Verbindung.

Das Buch bewegt sich dabei auf zwei Ebenen: Zum einen ist es eine autobiografische Erzählung über Selbstzweifel, Impostor-Syndrom, Überforderung und den schmerzhaften Reifeprozess in der Führungsrolle. Zum anderen formuliert Bornmann elf New-Leadership-Prinzipien, von “Investiere in Selbstkenntnis mehr als in Fachwissen” bis “Setze radikale Prioritäten”, und liefert 50 praktische Hacks zu deren Umsetzung. Das Ergebnis ist ein praxisorientiertes Werk, das seine Stärke aus der gelebten Erfahrung der Autorin zieht, aber stellenweise an theoretischer Tiefe vermissen lässt.

Die Inhalte

Bornmann steigt mit einer persönlichen Schlüsselszene ein: dem Satz “Du bist zu nett”, der sie jahrelang bremste. Die Einleitung rahmt das Buch als ehrlichen Praxisbericht und grenzt es explizit von klassischer Managementliteratur ab. Sie definiert ihre Zielgruppe bewusst breit – von erfahrenen Leadern bis zu Frauen, die Führungsrollen anstreben – und verspricht Authentizität statt Perfektion. Dieser Tonfall trägt das gesamte Buch.

Kapitel 1: Warum dieses Buch zur richtigen Zeit kommt
Das Eröffnungskapitel skizziert die Megatrends, die ein neues Führungsverständnis erzwingen: KI-Disruption, demografischer Wandel, mentale Belastungen, veränderte Generationenerwartungen. Bornmann untermauert ihre Argumentation mit dem Future of Jobs Report, Gallup-Daten und der Google-Studie “Aristoteles” zur psychologischen Sicherheit. Inhaltlich bewegt sich das Kapitel auf bekanntem Terrain; wer die New-Work-Debatte verfolgt, findet hier wenig Neues. Als Kontextkapitel erfüllt es aber seinen Zweck: Es etabliert die Dringlichkeit und führt zur zentralen Frage, warum die alte Führungsschule versagt.

Kapitel 2: Warum mir niemand Führung zugetraut hat
Das persönlichste Kapitel des Buches. Bornmann erzählt von ihrer Sozialisation als Millennial, dem Double-Bind-Effekt für Frauen in Führungsrollen, der pauschalen Schwangerschaftsvermutung und dem Halo-Effekt, der ihre empathische Art als Schwäche erscheinen ließ. Das Kapitel überzeugt durch die Verbindung von persönlicher Verletzlichkeit mit struktureller Analyse: Bornmann benennt konkret, wie gesellschaftliche Erwartungsmuster Frauen systematisch benachteiligen — und liefert mit dem Verweis auf die Kieran-Snyder-Studie zum geschlechtsspezifischen Feedback auch die empirische Grundlage.

Kapitel 3: Gute Führung beginnt bei uns selbst
Mit sieben Unterkapiteln eines der breitesten Kapitel. Bornmann behandelt Impostor-Syndrom, aktives Zuhören, Mut zum Scheitern, Authentizität, Priorisierung (“Hell yes oder Nein”), Stärkenorientierung und konstruktive Überforderung. Jedes Unterkapitel folgt demselben Schema: persönliche Anekdote, wissenschaftliche Einordnung, Führungslektion. Am stärksten ist der Abschnitt zum Zuhören, wo die Forschung zu “Respectful Inquiry” und die Zenger-Folkman-Daten überzeugend zusammengeführt werden. Die Passage zur Authentizität differenziert erfreulich: Bornmann warnt vor “zu viel Authentizität” und plädiert für Rollenflexibilität, eine Nuance, die vielen Leadership-Büchern fehlt.

Kapitel 4: Was gutes Leadership heute ausmacht
Hier entfaltet Bornmann ihr Führungsverständnis in sieben Facetten: Energiespendende Führung (Kim Cameron), individuelle Wertschätzung statt Benefits (Theory X vs. Y), Verletzlichkeit als Stärke (Brené Brown), Netzwerkaufbau, Radical Candor (Kim Scott), “Andere größer machen” (transformationale Führung/Servant Leadership) und Verhaltensintegrität. Das Kapitel zeigt eine große thematische Bandbreite und die stärkste wissenschaftliche Fundierung. Besonders gelungen ist der Abschnitt zu Radical Candor, in dem Bornmann ein konkretes schwieriges Mitarbeitergespräch schildert und damit zeigt, wie die Verbindung von Fürsorge und Direktheit in der Praxis aussieht.

Kapitel 5: Worüber niemand offen spricht
Das ehrlichste Kapitel. Bornmann adressiert fünf Tabu-Themen der Führung: die Last der Verantwortung, chronische Überlastung, Einsamkeit in der Führungsrolle, den Umgang mit unsympathischen Teammitgliedern und den Identitätswandel durch Führung. Der Abschnitt zur Einsamkeit, untermauert mit Studien, wonach 75 Prozent der Top-Manager sich isoliert fühlen, bietet Führungskräften einen seltenen Spiegel. Der Abschnitt zu Favoritismus und unbewussten Verzerrungen bei Personalentscheidungen (56 Prozent geben Lieblingskandidaten zu) ist ein wichtiger Realitätscheck. Die Liste der sieben “Identitätsfallen” am Ende kondensiert die Kapitelerkenntnisse in ein nützliches Reflexionswerkzeug.

Kapitel 6: Der Weg zu New Leadership
Das konzeptionelle Herzstück des Buchs. Bornmann formuliert elf New-Leadership-Prinzipien und skizziert einen fünfphasigen Umsetzungsplan (Selbsttransformation → Führungsverständnis → Vertrauensaufbau → Team-Empowerment → Kultur). Die Prinzipie, von “Interessiere dich für dein Team wie für deine besten Freunde” bis “Mache KI zu deiner wichtigsten Sparringspartnerin”, sind eingängig formuliert, bleiben aber oft auf der Ebene von Leitsätzen. Der Abschnitt “Was wirklich neu ist und wo New Leadership an seine Grenzen stößt” zeigt willkommene Selbstkritik: Bornmann räumt ein, dass empathische Führung in Krisenkontexten (Polizei, Luftfahrt) an ihre Grenzen stößt und die Messbarkeit schwierig bleibt.

Kapitel 7: Praktische Hacks zur Umsetzung der New-Leadership-Prinzipien
50 konkrete Hacks: vom Wertekompass über Coffee-Walk-Routinen bis zur Crazy-Idea-Time. Jeder Hack folgt einem einheitlichen Schema: Problem, Hack, So funktioniert’s, Effekt. Das ist der unmittelbar nützlichste Teil des Buches: ein Werkzeugkasten, aus dem Führungskräfte gezielt auswählen können. Die Hacks sind sofort umsetzbar und realistisch dimensioniert. Manche bleiben allerdings an der Oberfläche (“Plane wöchentlich informelle Gespräche”), während andere — wie das Reverse-Mentoring oder die Loslass-Liste — genuinen Mehrwert bieten.

Kapitel 8: Die Zukunft von Leadership
Bornmann argumentiert, dass gerade in einer KI-geprägten Welt die menschlichen Führungsfähigkeiten, wie Empathie, Kreativität, ethisches Urteilsvermögen, unverzichtbar bleiben. Das Kapitel schließt mit der Perspektive, dass New Leadership die beste Zukunftsinvestition ist, weil es die Fähigkeiten stärkt, die keine Technologie ersetzen kann. Der abschließende “persönliche Brief” ist ein emotionaler Appell, der den autobiografischen Bogen des Buches schließt.

Das Fazit

Zunächst zum Schreibstil: Bornmann schreibt in einem persönlichen, zugänglichen Ton, der dem Buch seine Stärke verleiht und zugleich seine Grenzen markiert. Der Stil ist warm, nahbar und anekdotenreich; die Autorin duzt ihre Leser und wechselt fließend zwischen Erfahrungsbericht und Wissenschaftsvermittlung. Die Sätze sind klar, die Absätze kurz, der Lesefluss hoch. Man spürt die geübte LinkedIn-Kommunikatorin: Bornmann versteht es, komplexe Sachverhalte auf ihre emotionale Essenz zu verdichten.

Die Kehrseite: Der Sprachstil neigt zu motivationaler Rhetorik (“Wir können das”, “Der erste Schritt zählt”), die an manchen Stellen die analytische Schärfe verwässert. Wiederholungen, sowohl inhaltlich als auch in Formulierungen, hätten im Lektorat etwas gestrafft werden können. Das Buch liest sich flüssig an einem Wochenende; es ist kein Text, über den man grübeln muss, aber auch keiner, der einen intellektuell herausfordert. Für die Zielgruppe “Führungskräfte im Tagesgeschäft” ist das genau richtig; für die analytisch orientierte Leserschaft eher ein Einstiegstext.

Inhaltlich gibt es Vieles, was mir an diesem Buch sehr gefallen hat. Zunächst die Ehrlichkeit über die Schattenseiten der Führung: Kapitel 5 hebt das Buch über vergleichbare Leadership-Ratgeber hinaus. Bornmanns Schilderungen von Überforderung (Weinen am Schreibtisch), Einsamkeit (das verschwundene Smartphone der Mitarbeiterin) und dem Umgang mit unsympathischen Teammitgliedern haben eine Authentizität, die in der Führungsliteratur selten ist. Sie durchbricht die Heldenerzählung, die viele Führungsbücher pflegen. Dann die Verbindung von persönlicher Geschichte und Empirie: Das Buch funktioniert am besten, wenn Bornmann eine konkrete Situation schildert, etwa das gescheiterte Kennenlerngespräch, bei dem nur sie redete, und dann den wissenschaftlichen Rahmen liefert (Respectful Inquiry, Zenger-Folkman-Studien). Dieser Wechsel zwischen Anekdote und Evidenz macht abstrakte Konzepte greifbar. Auch ihr Mut zur Selbstkritik: Bornmann idealisiert weder sich selbst noch ihr Modell. Sie beschreibt eigene Fehler (defensive Reaktion auf Feedback, Vermeidung schwieriger Gespräche) und benennt die Grenzen von New Leadership in Krisenkontexten und bei macht-motivierten Führungskräften. Diese Differenzierung verleiht dem Buch Glaubwürdigkeit.

Und schließlich die 50 Hacks: Der Praxisteil in Kapitel 7 bietet einen sofort nutzbaren Werkzeugkasten. Das einheitliche Format (Problem → Hack → Anleitung → Effekt) macht die Orientierung leicht, und die Empfehlung, nur 2-3 Hacks gleichzeitig umzusetzen, zeugt von praktischem Verstand.

Doch gibt es für mich auch weniger gelungene Aspekte: Trotz zahlreicher Studienverweise bleibt die wissenschaftliche Auseinandersetzung oberflächlich. Bornmann referenziert Brené Brown, Kim Scott, Amy Edmondson und Carol Dweck – alles Standardreferenzen des Genres. Eine eigenständige theoretische Leistung, die über die Synthese bekannter Konzepte hinausgeht, bietet das Buch nicht. Die elf New-Leadership-Prinzipien sind im Kern eine Zusammenstellung von Ideen, die unter Begriffen wie Servant Leadership, Authentic Leadership und Transformational Leadership längst etabliert sind. Was genau “neu” an New Leadership ist — jenseits der persönlichen Verpackung — bleibt mir zu unscharf.

Die persönliche Geschichte ist Stärke und Schwäche zugleich. In den ersten Kapiteln entfaltet sie ihre volle Wirkung; ab der Mitte des Buches wiederholen sich Muster (Selbstzweifel → Überwindung → Erkenntnis) und Formulierungen. Für mich entstand der Eindruck einer gewissen Kreisförmigkeit, weil fast jedes Unterkapitel denselben narrativen Bogen schlägt: persönliche Unsicherheit, mutige Entscheidung, positive Auflösung. Die Schattenseiten – echtes Scheitern ohne Happy End – kommen etwas zu kurz. Auch konzentriert sich Bornmann  fast ausschließlich auf die individuelle Führungskraft als Hebel des Wandels. Strukturelle Rahmenbedingungen – Vergütungssysteme, Organisationsdesign, Governance, Machtstrukturen – werden zwar erwähnt, aber nicht durchdrungen. Das suggeriert, Kulturwandel sei primär eine Frage der richtigen Haltung einzelner Führungskräfte. Für ein Buch mit dem Anspruch, ein “neues Führungsverständnis” zu begründen, greift die fehlende systemische Perspektive zu kurz.

Auch scheint die Zielgruppe enger als behauptet: Obwohl sich das Buch an “alle, die führen oder führen wollen” richtet, spricht es vor allem neue und junge Führungskräfte an; insbesondere Frauen, die sich mit Bornmanns Geschichte identifizieren können. Erfahrene C-Level-Führungskräfte werden den Grundlagencharakter vieler Kapitel als bereits Bekanntes empfinden. Die REWE-Erfahrung ist primär konzerngeprägt; Perspektiven aus KMU, Start-ups oder Non-Profit fehlen.

Und so sei das Buch vor allem aber nicht nur jungen Führungskräften beiderlei Geschlechts und besonders auch jungen Frauen in Führungspositionen empfohlen, die  einen praxisorientierten Einstieg suchen und Mut aber auch handfeste Hinweise für die neue Aufgabe bekommen wollen. Mir hat es gut gefallen.

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Transparenzhinweis: Das Buch wurde mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unberührt.