Die AutorInnen und das Buch
Das heutige Buch trägt den Untertitel “Wie Menschen und Organisationen erfolgreich wachsen” und beschäftigt sich wie andere bereits von mir rezensierte Werke mit dem Thema “Transformation”. Die AutorInnen-Schar des Buchs ist groß: Ganze 5 an der Zahl. Dr. Tim Komkowski ist Head of Operations bei ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) in Kiel und gestaltet seit vielen Jahren Transformationen. Er ist Wirtschaftsingenieur, MBA und promovierte in BWL. Dr. Benedikt Viedenz ist Management-Berater. Er promovierte in Psychologie in Nürnberg-Erlangen und arbeitete vor seiner Beratertätigkeit in zahlreichen HR Positionen unterschiedlicher Unternehmen. Thomas Niggemeier und Nicole Davila sind ebenfalls Berater und betreiben die “TrainingsManufaktur”. Prof. Jiju Antony schließlich ist Experte in Sachen Lean Six Sigma und Operational Excellence. Er lehrt an der Newcastle Business School der Northumbria University, ist Autor von über 700 Artikeln und zahlreichen Büchern und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Das vorgestellte Buch umfasst gut 240 Seiten und ist bei Wiley erschienen. Es adressiert eine unbequeme Wahrheit: Mehr als die Hälfte aller Transformationsprojekte scheitern – trotz durchgestylter Change-Kampagnen, agiler Methoden und prall gefüllter Toolkits. Die Autoren haben in einer mehrjährigen wissenschaftlichen Studie mit über 500 Experten untersucht, warum das so ist und wie sich das ändern lässt.
Das Ergebnis ist ein praxisorientierter Handlungsrahmen mit sieben Schlüsselkomponenten und 40 konkreten Handlungsfeldern. Der zentrale Perspektivwechsel: Transformation wird nicht als einmaliges Projekt verstanden, sondern als dauerhafte unternehmerische Fähigkeit – ein “Muskel”, der trainiert werden kann.
Die Inhalte
Das Buch gliedert sich in 6 Hauptkapitel, wobei Kapitel 4 in weitere Unterkapitel zu den sieben Schlüsselkomponenten des Modells gegliedert ist.
- Vorwort: Das Vorwort legt den Grundstein für alles, was folgt: die unbequeme Statistik, dass mehr als die Hälfte aller Transformationsprojekte scheitern – trotz aller Methoden, Toolkits und Change-Kampagnen. Die Autoren schildern, wie eine mehrjährige wissenschaftliche Studie mit über 500 Expertinnen und Experten entstand, und warum sie ein Modell entwickelt haben, das Transformation nicht als Projekt, sondern als dauerhafte unternehmerische Kompetenz begreift. Hier wird der Ton gesetzt: analytisch, aber von echtem Praxisbezug getragen.
- Kapitel 1: Transformation – eine Herausforderung? Dieses Kapitel entfaltet die Problemdiagnose mit einiger Schärfe: Warum sind lineare Change-Modelle wie Kotters 8-Stufen oder ADKAR in einer zunehmend komplexen Welt nicht mehr ausreichend? Der Leser bekommt eine nüchterne Bestandsaufnahme der Rahmenbedingungen – VUCA, demografischer Wandel, technologische Beschleunigung – und erfährt, welche immer gleichen Fehler Transformationen scheitern lassen. Das Kapitel schließt mit einer These, die den Rest des Buches trägt: Transformation ist keine technische, sondern eine menschliche, strategische und systemische Herausforderung.
- Kapitel 2: Ziele, Modelle, Mythen und was langfristig wirklich zählt: Hier wird der Management-Methodendschungel durchforstet – von SWOT über Blue Ocean bis zu Dynamic Capabilities – und gefragt, was davon wirklich trägt, wenn es um tiefgreifenden Wandel geht. Das Kapitel systematisiert die fünf großen Zielkategorien von Transformation (Effizienz, Digitalisierung, Kulturwandel, Wachstum, Nachhaltigkeit) und zeigt auf, wo jede davon in die Irre führen kann, wenn sie ohne übergeordneten Kompass betrieben wird. Das Fazit ist eindeutig: Was alle Transformationsziele verbinden sollte, ist die langfristige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit – und dafür reicht kein einzelnes Modell.
- Kapitel 3: Warum Transformation eine Fähigkeit ist: Dieses Kapitel vollzieht den konzeptionellen Schwenk, der das gesamte Buch trägt: Transformation nicht als einmaliges Projekt zu verstehen, sondern als organisationalen Muskel, der trainiert werden kann. Dazu greifen die Autoren auf die Theorie der Dynamic Capabilities zurück – Sensing, Seizing, Transforming – und erweitern sie zu einem fähigkeitsorientierten Ansatz für Führung unter Ungewissheit.
- Kapitel 4: Die Transformationsformel und ihre sieben Schlüsselkomponenten: Das Herzstück des Buches entfaltet auf rund 180 Seiten die sieben Hebel, die aus der Studie als wirksamste Stellschrauben erfolgreicher Transformation hervorgingen – von Momentum über Entscheidungsarchitektur bis hin zur oft unterschätzten Ressourcenfrage. Entscheidend dabei: Die Komponenten sind keine sequenziellen Phasen, sondern parallel entwickelbare organisationale Stärken, bei denen jede Organisation dort ansetzt, wo der Hebel aktuell am größten ist. Jedes Subkapitel folgt einem konsistenten Aufbau aus Wirklogik, Fallbeispielen und einer psychologischen Perspektive.
- Kapitel 5: Ein Leitfaden von der Formel zur Umsetzung: Nach der konzeptionellen Tiefe der vorangegangenen Kapitel wechselt hier das Register: Es geht um die konkrete Anwendung. In sechs kompakten Schritten, von der Standortbestimmung über die Kraftfeldanalyse bis zum Review-Zyklus, wird ein Reifegradmodell vorgestellt, mit dem Organisationen ihren aktuellen Transformationsstatus für alle sieben Komponenten messbar machen können.
- Kapitel 6: Fazit, Ausblick, Zukunft: Das abschließende Kapitel weitet den Blick über das Modell hinaus und verankert es im größeren Kontext: nachlassende Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen, technologische Superzyklen, geopolitischer Wandel. Die Autoren machen deutlich, dass Transformationsfähigkeit keine Frage der Wahl mehr ist, sondern eine unternehmerische Überlebensbedingung. Zugleich endet das Buch mit einem ermutigenden Impuls: Die Formel ist kein starres Schema, sondern ein Ausgangspunkt – probieren, adaptieren, ergänzen, und den eigenen Weg mit System gestalten.
Das Fazit
Die Autoren schreiben klar und verständlich, ohne in akademische Trockenheit zu verfallen. Der Aufbau ist konsistent: Jedes Kapitel folgt einer klaren Struktur mit theoretischer Einordnung, Fallbeispielen, Handlungsfeldern und Praxistipps.
Besonders gelungen sind die Fallgeschichten – von der Teamleiterin Julia, die mit “5 Ideen in 5 Wochen” Bewegung in eine erstarrte Organisation bringt, bis zum Geschäftsführer Peter, dessen persönliche Krise eine ganze Transformation entgleisen lässt. Diese Narrative machen abstrakte Konzepte lebendig.
Inhaltlich verbindet das Buch akademische Rigorosität mit echter Anwendbarkeit. Die Delphi-Studien und Faktorenanalysen geben den Empfehlungen Gewicht, während zahlreiche Fallbeispiele die Konzepte greifbar machen. Besonders überzeugend ist der Ansatz, Momentum, Handlungsoptionen, Entscheidungen, Realisierung, Nachhaltigkeit, Ressourcen und Fähigkeiten nicht als lineare Phasen, sondern als parallel entwickelbare Organisationskompetenzen zu verstehen. Dies erlaubt eine flexible, kontextspezifische Anwendung. Jedes Kapitel enthält eine psychologische Perspektive, die erklärt, warum bestimmte Muster greifen. Die Autoren berücksichtigen Grundbedürfnisse wie Sicherheit, Sinn und Zugehörigkeit – Aspekte, die in klassischen Change-Modellen oft fehlen. Konkrete Standortbestimmungen, Reflexionsfragen und Praxistipps machen das Buch zu einem echten Arbeitsbuch für den Transformationsalltag.
Mit 40 Handlungsfeldern kann die Fülle jedoch überwältigend wirken. Eine stärkere Priorisierung oder ein “Minimum Viable Transformation”-Ansatz hätte hier meines Erachtens geholfen.
Das Buch richtet sich somit an alle Führungskräfte, die Transformation nicht nur moderieren, sondern tiefer einsteigen wollen. An Organisationsentwickler und HR Verantwortliche, die einen wissenschaftlich fundierten Rahmen suchen und die Transformation als Kompetenzentwicklung verstehen wollen und an BeraterInnen, die ihre Toolbox erweitern wollen. Einige Erfahrung und Hintergrundwissen in Sachen Transformation und Organisation scheint mir bei diesem Buch aus meiner Sicht hilfreich, so dass es Einsteigern weniger zu empfehlen ist. Alles in allem ein rundes Buch zum Thema.
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Transparenzhinweis: Das Buch wurde mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unberührt.
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