Die Regenerative Organisation - Groß-Yachkaschi - Rezension - Dr. Oliver Mack - xm-instituteDie Autorin und das Buch

Das heutige Buch beschäftigt sich mit der Frage, wie Organisationen nicht nur nachhaltig wirtschaften, sondern aktiv zur Regeneration von Mensch, Organisation und Ökosystem beitragen können. Die Autorin, Shirin Groß-Yachkaschi, ist seit über 25 Jahren als systemische Organisationsberaterin, Trainerin und Coach tätig. Sie arbeitete neun Jahre in Südafrika, wo sie eine Beratungsorganisation zivilgesellschaftlicher Initiativen mitaufbaute und im Bereich Organisationsentwicklung promovierte. Heute begleitet sie mittelständische Unternehmen sowie Sozialunternehmen in Transformationsprozessen und ist Mitglied der Gilde Agile Organisationsentwicklung. Das Buch trägt den Untertitel „Geschichten, Muster, Praktiken und Möglichkeitsräume” und ist im Oktober 2025 in der Reihe „Systemisches Management” beim Schäffer-Poeschel Verlag erschienen. Es umfasst 206 Seiten, gegliedert in sechs Kapitel entlang des Theory U-Prozesses, ergänzt durch ein umfangreiches Literaturverzeichnis.

Die zentrale These des Buchs lautet: Unsere bisherige Art der Wirtschaft und Unternehmensführung ist nicht mehr zukunftsfähig – und Nachhaltigkeit im Sinne von Erhaltung reicht nicht mehr aus. Es braucht Organisationen, die aktiv regenerieren und heilen. Unter „regenerativ” versteht die Autorin dabei nicht nur das Reduzieren von Schäden, sondern das aktive Wiederherstellen und Aufbauen von Lebendigkeit in sozialen und ökologischen Systemen. Das Buch basiert auf einem zweijährigen Forschungsprojekt, in dem Pionierunternehmen besucht und deren Muster analysiert wurden – strukturiert entlang des „Theory U”-Prozesses nach Otto Scharmer, einem Ansatz für tiefgreifende Veränderung durch gemeinsames Hinspüren und Prototyping. Doch steigen wir gleich in die Inhalte ein…

Doch steigen wir gleich in die Inhalte ein…

Die Inhalte

Kapitel 1 – Co-Initiating: Gemeinsame Intention entdecken:

Die Autorin legt den konzeptionellen Rahmen des Buches dar und erläutert die Unterscheidung zwischen Nachhaltigkeit und Regeneration. Während Nachhaltigkeit auf Erhaltung des Status quo zielt, geht es bei Regeneration darum, Systeme aktiv zu heilen und Lebendigkeit aufzubauen. Der Theory U-Prozess nach Otto Scharmer dient als strukturierender Rahmen sowohl für das zugrundeliegende Forschungsprojekt als auch für das Buch selbst. Die Autorin beschreibt dabei die planetaren Grenzen und warum ein bloßes „weniger Schaden anrichten” nicht mehr ausreicht.

Kapitel 2 – Co-Sensing: Geschichten regenerativer Organisationen:

Das Herzstück des Buches präsentiert fünf ausführliche Fallstudien: Shift GmbH (nachhaltige Elektronik), Sonett GmbH (ökologische Reinigungsmittel), Solawi Jolling eG (solidarische Landwirtschaft), WEtell GmbH (klimaneutraler Mobilfunk) und Wildling Shoes GmbH (regenerative Barfußschuhe). Die Geschichten entstammen sogenannten „Sensing Journeys” – Lernreisen, bei denen das Forschungsteam die Unternehmen vor Ort mit allen Sinnen erlebte und Dialog-Interviews führte. Die Erzählungen machen die Komplexität dieser Pionierunternehmen greifbar und zeigen, wie unterschiedlich regeneratives Wirtschaften in der Praxis aussehen kann.

Kapitel 3 – Co-Presencing: Muster regenerativer Organisationen:

Aus den Sensing Journeys destilliert die Autorin übergreifende Muster, die sie in drei Clustern organisiert: „Regenerativer Sinn” (Purpose als Treiber aller Entscheidungen), „Regenerieren in lebendigen Beziehungen” (Menschlichkeit und Selbstfürsorge) sowie „Lebendige Organismen innerhalb von Ökosystemen” (Organisation als Teil größerer Systeme). Im Zentrum aller Muster steht das Prinzip „Lebendigkeit entfalten”. Besonders interessant ist der Vergleich mit Laloux’ Teal-Organisationen und die Abgrenzung des regenerativen Ansatzes.

Kapitel 4 – Co-Creating: Praktiken regenerativer Organisationen:

Dieses Kapitel übersetzt die abstrakten Muster in konkrete Praktiken und Praxisbeispiele. Es werden Werkzeuge vorgestellt für sinnorientierte Entscheidungsfindung, den Umgang mit Wachstum und Geld, die Etablierung einer Kultur der Menschlichkeit, Rhythmen für Regeneration sowie sinnhaftes Organisationsdesign. Die Praktiken werden durch zahlreiche Zitate der Interviewpartner*innen illustriert und bleiben dadurch praxisnah.

Kapitel 5 – Co-Evolving: Entwicklung regenerativer Organisationen: 

Das umfangreichste Kapitel bietet einen methodischen Werkzeugkasten für Organisationsbegleiter*innen. Groß-Yachkaschi stellt Ansätze vor wie den regenerativen Purpose Quest, das Purpose Ikigai, systemische Strukturaufstellungen nach SySt®, die 9/12-Felder-Matrix, das Wertequadrat sowie Entscheidungswerkzeuge wie den konsultativen Einzelentscheid oder den Konsent. Besonders wertvoll sind die Entwicklungspfade für jeden der drei Muster-Cluster sowie die Integration der sieben Basisprozesse nach Glasl und Lievegoed.

Kapitel 6 – Rückblick & Ausblick:

Das Buch schließt mit einer Reflexion über den regenerativen Schreibprozess selbst und einem Ausblick auf die Notwendigkeit, gemeinsam ein Feld für regenerative Unternehmenspraktiken zu kreieren.

Das Fazit

Das Buch ist gut geschrieben und verbindet theoretische Tiefe mit praktischer Anschaulichkeit. Die Fallstudien sind lebendig erzählt und ermöglichen es, die Komplexität regenerativer Organisationen intuitiv zu erfassen. Besonders gelungen ist die konsequente Strukturierung entlang des Theory U-Prozesses, der den Lesenden selbst auf eine Lernreise mitnimmt. Die Journaling-Impulse am Ende jedes Kapitels laden zur eigenen Reflexion ein.

Für meinen Geschmack hätte ich mir an einigen Stellen noch mehr kritische Auseinandersetzung mit den Grenzen und Widersprüchen regenerativen Wirtschaftens innerhalb des bestehenden Wirtschaftssystems gewünscht. Die Fallstudie zur Solawi Jolling zeigt diese Spannungen zwar auf, doch bleibt die Frage offen, wie regeneratives Wirtschaften auch außerhalb von Nischenmärkten gelingen kann. Auch wäre eine systematischere Darstellung der Methoden in Kapitel 5 vielleicht noch hilfreicher gewesen – hier muss man sich durch verschiedene Ansätze aus unterschiedlichen Schulen arbeiten. Ungeachtet dessen handelt es sich um ein rundes und schlüssiges Werk, das eine wichtige Lücke in der deutschsprachigen Literatur zur Organisationsentwicklung schließt.

Das Buch sei somit allen Führungskräften, OrganisationsberaterInnen und Change-BegleiterInnen empfohlen, die Organisationen dabei unterstützen wollen, über Nachhaltigkeit hinauszugehen und aktiv zur Regeneration beizutragen. Es eignet sich sowohl für EinsteigerInnen, die einen Überblick über das Feld suchen, als auch für erfahrene PraktikerInnen, die konkrete Methoden und Inspiration für ihre Arbeit suchen. Mir persönlich hat das Buch viele wertvolle Denkanstöße gegeben und zeigt überzeugend, dass regeneratives Wirtschaften keine Utopie ist, sondern bereits heute von Pionierunternehmen gelebt wird.

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Anmerkung zur Transparenz: Das Buch wurde dem Autor dieses Artikels vom Verlag kostenlos zur Rezension zur Verfügung gestellt. Die Meinung des Autors ist hiervon jedoch nicht beeinflusst.