Der Autor und das Buch
Der Autor, Tobias Grewe, ist Betriebswirt, Kommunikationsprofi und war lange in der Agenturwirtschaft tätig. Seine Geschichte beschreibt er ausführlich zu Beginn seines Buch, welches den Untertitel „Storylistening und Storytelling als Schlüssel für emphatische Führung in Change- und Transformationsprozessen“ trägt. Hierbei beschreibt er seine persönlichen Erfahrungen mit dem Thema Aufstieg und Veränderung als Einstieg in sein Buch. Inzwischen berät er Organisationen im Bereich Change-Kommunikation und Transformation und beschreibt in seinem gerade bei Haufe als Paperback erschienenen Werk seine Erfahrungen und Erkenntnisse.
Das Buch umfasst 230 Seiten und ist in 6 Kapitel unterteilt. Am Ende eines jeden Kapitels gibt es ein Quellenverzeichnis. Gehen wir etwas genauer in die Inhalte.
Die Inhalte
- Vom Abgrund zur Absprungkante – meine Transformationsgeschichte: Wie bereits erwähnt erläutert hier der Autor seine eigene Transformationsgeschichte: Seine Karriere in der Kreativindustrie bis hin zum Geschäftsführer und dann sein „Ausbrechen“ aus seiner „sicheren Box“ und seine Transformation zum selbstständigen Transformationsberater.
- Storylistening & Storytelling – Schlüsselkompetenzen für Führung: In Bezugnahme auf Erlach/ Müller, die für Grewe offenbar eine wichtige Rolle in seiner Transformation zum narrativen Change-Berater gespielt haben, beschreibt der Autor hier die beiden Schlüsselkonzepte des Ansatzes: Storylistening als Kompetenz und Zuhörformate für Geschichten und Storytelling, Kompetenz und Formate für das erzählen von Geschichten in Organisationen. Er gibt hierzu Beispiele und macht deutlich, wie die beiden Ansätze ineinander greifen können. Auch arbeitet er heraus, wie wichtig Emotionen auch am Arbeitsplatz sind und wie Resonanz (nach Rosa) ein wesentliches Kriterium für eine gelingende Veränderung ist. Dabei legt der Autor weniger Wert auf wissenschaftliche Sezierung und ganz konkrete Handlungsanweisungen und Tools. Vielmehr schildert er eigene Erfahrungen und Aspekte seiner Arbeit, die ihm mit seiner Erfahrung wichtig scheinen.Dies macht das Buch
- Storylistening – Erzählräume schaffen: In diesem Kapitel vertieft der Autor den ersten Aspekt, das Storylistening weiter. Er beschreibt mit der Dorf-Metapher und der Ereigniskurve zwei nicht unbekannte Tools zur praktischen Schaffung von Erzählräumen im Unternehmen und vertieft abschließend das Thema Cliquenbildung in Organisationen.
- Storytelling – Warum Führung im Change Geschichten braucht: Hier geht es um den zweiten Aspekt, das Storytelling. Der Autor macht zunächst deutlich, dass es beim Storytelling nicht um das Thema Zielbeschriebungen geht. Vielmehr sollte das argumentative Denken um ein narratives Denken ergänzt werden, um eine echte Veränderung zu erreichen. Auch beschreibt das Autor den Storytelling Prozess als ein co-kreatives Vorgehen, um Resonanz zu erzeugen. Hier sind Führungskräfte gefragt und Grewe macht deutlich, dass er eine vollständige Delegation an die Kommunikationsabteilung nicht als hilfreich ansieht. Weiter geht es mit einfachen aber wirksamen Frameworks, wie „ATE“ – Anfang, Transformation, Ende, die Heldenstory oder das Aktanten-Modell. Alle werden an einfachen Beispielen aus der Praxis erläutert.
- Die Macht der Worte – Sprache in Change- und Transformationsprozessen: Hier findet sich auf 4 Seiten ein Gastbeitrag von Frank Behrendt, der sich dem Thema Sprache im Change widmet. Praktisch wird sein Beitrag durch seine Top-Ten Hacks zum Thema Change-Sprache sowie seine zehn Favoriten-Worte, die im Change einen Unterschied machen können.
- Narrative Interventionen – Beispiele aus der Praxis: Dieser Teil nimmt gut 150 Seiten es Buches ein und ist damit eigentlich der Hauptteil des Werks, während die anderen Teile so als Einleitungen und Rahmungen verstanden werden können. Hier beschreibt der Autor 5 Fallstudien zu unterschiedlichen Aspekten der Change Kommunikation:
- Case 1: Entlassungen, ohne Porzellan zu zerschlagen: Wie der Titel vermuten lässt ging es bei diesem Fall um die Auflösung eines Bereichs und das Ziel, nicht nur mit den Entlassenen, sondern auch mit den Bleibenden in guter Art und Weise im Transformationsprozess umzugehen. Grewe beschriebt zunächst das Projektvorgehen und dann die einzelnen Schritte im Detail. In einer Art „Methodenkoffer“ werden einzelne Tools vertiefend an den jeweiligen Prozessschritten tiefer erläutert und stehen so auch dem Leser für eigen Anwendungen zur Verfügung.
- Case 2: Storytelling – mit der Heldenreise Change gemeinsam vorleben: In dieser Fallstudie wird die Methode der Heldenreise näher vorgestellt. Hierbei ging es um einen Übergang von eine Linien- zu einer Matrixorganisation, bei dem die Heldenreise als Prozess mit 8 Workshops entlang der Heldenreise geplant und umgesetzt wurde. Neben der Heldenwreise wird hier auch das Barcamp Format näher beleuchtet.
- Case 3: Global Change Storys – regional maßgeschneidert: Diese Fallstudie behandelt eine internationale Transformation, in der global in drei Regionen sinnstiftend die Veränderung kommuniziert werden sollte. Hierbei werden Aspekte wie „Process Branding“ zur Integration, „ATE“ und die Nutzung verschiedener Change-Stories in verschiedenen Regionen vorgestellt. Auch die „Wunderfrage“, „Strukturierte Problemlösung in fünf Schritten“ wie auch das „Aktanten-Modell“ werden hier dem Methodenkoffer hinzugefügt.
- Case 4: Experimente für die Veränderung der Teamkultur: In dieser Fallstudie geht es um ein Laborteam in einem Chemiepark, bei der ein schlechtes Arbeitsklima herrschte, das sich signifikant auf die Qualität der Leistungen gegenüber den Kunden auswirkte. Führungskräfte, die versuchten, Veränderungen herbeizuführen, wurden mehrfach über Mitarbeitendenbefragungen durch Äußerungen über die Unzufriedenheit der Mitarbeitenden über die schlechte Führungskultur „weggeätzt“. Der Methodenkoffer wird hier um das „Narrative Interview“ angereichert. Die Fallstudie betont ebenso Aspekte wie das Nachwirken „vergangener Chefs“ in der Gegenwart und die Wirkung von Polaritäten als Bilder in der Sprache der Mitarbeitenden. Zum Aufbruch in ein besseres Miteinander dienten „Experimente“, die zum risikofreien Ausprobieren einladen sollten. Ferner wird die Methode der „Story-Circles“ und der „Drei-Schichten-Dialog“ vorgestellt.
- Case 5: Wie eine Unternehmenskultur mit mutigen Dialogen zum Fliegen kommt: Im letzten Case geht es um eine Cultural Journey bei einer Airline. Hierzu wird der eingesetzte „Brave Dialog Process®“ von Christiane Windhausen vorgestellt. Die Entwicklerin des Prozesses beschreibt ihn im Kontext des Kulturprojekts und macht deutlich, dass er weit mehr ist als ein Tool und ehemals Haltung und Bewegung zu verstehen ist. Hierbei spielt der Begriff der Noble Friendship eine zentrale Rolle: Es geht um Demut und Nichtwissen, um Mitgefühl statt bloßer Empathie, um Mut zur Wahrhaftigkeit sowie um den Raum, den ein Noble Friend hält (Grewe, 2025, 206 f.) Die Toolbox wird um, konkrete Tools, wie den „Kompass der Gefühle“ und „Pleasant & Unpleasant River and Takes“ erweitert.
Das Fazit
Das Buch von Tobias Grewe ist gut lesbar und durch seine vielen Beispiele und Fallstudien kurzweilig und lehrreich gleichermaßen.
Das Buch lebt nicht von einer riesigen Toolbox und einem übergroßen Methodenkoffer. Vielmehr nutzt es wenige wirkungsvolle Tools und zeigt deren Nutzung zunächst abstrakt im Theoriekontext, bevor sie dann erweitert, in den Fallbeispielen mit Details zum Leben erweckt und in verschiedenen Kontexten vorgestellt werden. Dies macht das Buch zu etwas anderem und hebt es über einen einfachen Lehrbuchcharakter hinaus.
Die Fallbeispiele spiegeln Praxisnähe und Erfahrung und helfen Neueinsteigern wie Profis im Feld der Change Kommunikation etwas für die eigene Arbeit mitzunehmen.
Und so sei das Buch Praktikern, BeraterInnen wie Führungskräften und ExpertInnen gleichermaßen empfohlen. Mir persönlich hat es jedenfalls viel Freude beim Lesen bereitet und mit 2-3 Gedanken mitgegeben, die Einzug in mein persönliches Wissens-Wiki gefunden haben. Dank dafür.
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Transparenzhinweis: Das Buch wurde mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unberührt.
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