Der Autor und das Buch
Der Titel des heutigen Buchs verrät es bereits: Es geht eines unserer zentralen Themen am xm-institute: Komplexität und dem Umgang mit ihr in Führung und Beratung. Der Autor, Marc Schmetkamp, bezeichnet sich auf seinem LinkedIn Profil als Komplexität-Junkie, kommt aus dem klassischen Vertrieb und arbeitet nun seit mehreren Jahren im Bereich der agilen Beratung. Das Buch, auf das ich verständlicherweise sehr gespannt bin, trägt den Untertitel “Welche Denkparameter Unternehmen brauchen, um zukunftsfähig zu sein” und ist im Oktober 2025 als Paperback bei Haufe erschienen. Der Autor hat ebenfalls einen Podcast zum Thema Komplexität, der leider bisher sehr unregelmäßig erschienen ist und nun zum Buch vielleicht eine kontinuierlichere Wiederbelebung erfährt. Wir bleiben gespannt und schauen aber weiter auf das Buch: Neben einem Vor- und Schlusswort ist das Buch in 12 Hauptkapitel mit bis zu 5 Unterkapiteln unterteilt und füllt insgesamt gut 240 Seiten. Steigen wir gleich in die Inhalte ein…
Die Inhalte
Kapitel 1 – Einleitung
Als Einstieg wählt der Autor Steve Jobs (doch bleibt mir hier die Verbindung zum Thema Komplexität zu vage) und geht dann sogleich auf den Begriff der Komplexität über. Hierzu wählt der Autor die Abgrenzung zu Begriffen wie kompliziert und führt sogleich das bekannte Cynefin Framework von Dave Snowden ein, das sogleich um die Stacey-Matrix ergänzt wird. In einem weiteren Schritt werden Kinder als Komplexitätsprofis vertieft, die spielend, lernend und ausprobierend souverän mit Komplexität umgehen. Welche Kompetenzen es generell braucht, um mit Komplexität umzugehen, erläutert der Autor danach.
Kapitel 2 – Unsere Angst vor Komplexität
Hier steigt der Autor über den Begriff der VUCA Welt ein, der als knapper Start dient, um dann auf das Thema Unsicherheit als Quelle der Angst zu kommen, die er mit verschiedenen Symptomen und typischen Verhaltensmustern beschreibt (Kontrollverlust, Risiko-Überbewertung, Fehlende innere Orientierung Entscheidungsunfähigkeit und Emotionale Dysregulation. Dann gehts vertiefend an die weiteren Buchstaben des VUCA Akronyms: Unvorhersehbarkeit, Mehrdeutigkeit und Komplexität selbst. Letztere wird vor allem im Kontext mit Überforderung und psychischen Belastungen thematisiert. Alles Themen, die die Wissenschaft gut beschreibt. Leider hier ohne bzw. mit nur spärlichen Quellenangaben.
Kapitel 3 – Einfachheit und Komplexität
Schmetkamp stellt in diesem Kapitel der Komplexität den menschlichen Wunsch nach Einfachheit gegenüber. Hierbei stellt er die Risiken vor, die mit einer zu sehr vereinfachenden Sicht- und Handlungsweise in komplexen Situationen einhergeht.
Kapitel 4 – Komplexität und Unsicherheit in der Arbeitswelt
Als Lösung sieht der Autor hier Maßnahmen, die einen bewussten Umgang mit den Ängsten vor Komplexität fördern. Hier sieht und beschreibt Schmetkamp vor allem agile Übungen, Workshopmethoden und Tools, wie Lego Seriousplay®, Agile Papercity, Synchronisationsformate, Reviews und Retros oder Design Thinking und OKR. Im nächsten Schritt gehts um Agilität als generelle Antwort und um Glaubenssätze in Organisationen, die den Umgang mit Komplexität behindern können.
Kapitel 5 – Komplexitätsfallen im Bildungswesen
Hier geht es um unser Bildungswesen und wie es sich auf den Umgang mit Komplexität eher kontraproduktiv auswirkt. Zum Abschluss wird hier das Thema Motivation auf Basis von Daniel Pinks Modell eingeflochten.
Kpaitel 6 – Komplexitätsfallen im Unternehmen
In diesem Kapitel nimmt der Autor 6 Faktoren unter die Lupe, die Unternehmen “oft unbewusst daran hindern, mit Komplexität souverän umzugehen” (S. 101). Es geht um Strukturen, Kultur, fehlende Prioritäten, “falsche” Weiterbildung und zu starre Zielsysteme.
Kapitel 7 – Lern- und Fehlerkultur im Unternehmen
Dieses Kapitel stellt sich die Frage, wie es um die Lern- und Fehlerkultur in Unternehmen heute bestellt ist. Perfektionismus und Schuldzuweisungen werden als Hindernisse identifiziert und Lernen im Alltag und aus Fehlern statt in Weiterbildungen propagiert.
Kapitel 8 – Komplexitätsfallen im Management
Schmetkamp identifiziert auch im Management Schwächen, die für ein hochdynamisches und komplexes Umfeld nicht (mehr) geeignet scheinen: Übermäßige Steuerung, Micromanagement, ungeteiltes Wissen und Kennzahlenfokussierung. Als Lösung schlägt er eine “Ermöglichung von Orientierung und Struktur” (S. 139) vor, die durch Führung erreichbar ist.
Kapitel 9 – Komplexitätsfalle Tooling
In diesem Kapitel beschreibt das Autor das Phänomen und Problem eines übermäßigen Tooleinsatzes zur Bekämpfung von Komplexität, die dann letztlich selbst zum Problem wird.
Kapitel 10 – Inspirationen für einen erfolgreichen Umgang mit Komplexität
Hier versucht Schmetkamp Ansätze zu präsentieren, die als Antwort auf den Umgang mit Komplexität dienen sollen. Er legt seine Schwerpunkte dabei auf die drei Themen Unternehmenswerte, Teamarbeit und Leadership und macht gleich zu Beginn deutlich, dass Gebrauchsanleitungen und klare Handlungsrezepte und Tools nicht zur Lösung komplexer Fragestellungen dienen können. Das erste Thema, Werte, stiften Orientierung in komplexen Umfeldern. Sie helfen, einen gemeinsamen Blick, eine gemeinsame Haltung zu bestimmten Fragestellungen in einer Organisation zu haben und können als Orientierungsfaden in manchmal dunklen Höhlen dienen. Der zweite Aspekt ist ein Plädoyer für Teamarbeit und Selbstorganisation bei Komplexität. Im Bereich Führung betont Schmetkamp die Vorbildfunktion, deutliche Visionen und Fokus.
Kapitel 11 – Agile Arbeitsformen für eine komplexe Welt
Im vorletzten Kapitel liefert der Autor einen kurze Überblick über das Thema Agilität.
Kapitel 12 – Mut zur Lücke – Mut zum Erfolg
Zum Schluß gehts schließlich um die Frage nach Mut, Chancen-Nutzung, und der Bewahrung von Handlungsspielräumen und um Innovation.
Abschließend gibt ein Schlusswort einen Rückblick und Ausblick.
Das Fazit
Das Buch ist gut geschrieben und leicht zu lesen. Es enthält viele praktisch nachvollziehbare Situationsbeschreibungen zum Thema Komplexität und zeigt so die Praxiserfahrung des Autors. Komplexität und deren Herausforderungen sind umfassend und in verschiedensten Facetten dargestellt. Bei den Ideen und Lösungsansätzen im Umgang mit Komplexität hätte ich mir persönlich etwas mehr Tiefe gewünscht. Dieser Teil wird nicht unmittelbar aus den gelungenen Beobachtungen der Situationsanalyse abgeleitet und bleibt für meinen Geschmack eher auf einer übergeordneten Ebene. Der Titel verspricht hier auch nicht zu viel – meine Erwartungen waren lediglich etwas höher, vielleicht auch, weil das Thema Komplexität unser Spezialgebiet ist. Ungeachtet dessen sei das Buch allen Praktikern empfohlen, die sich mit den Effekten und Charakteristika von Komplexität auseinandersetzen möchten und einen fundierten Einstieg hierzu suchen.
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Anmerkung zur Transparenz: Das Buch wurde dem Autor dieses Artikels vom Verlag kostenlos zur Rezension zur Verfügung gestellt. Die Meinung des Autors ist hiervon jedoch nicht beeinflusst.
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